New York Marathon 2014

Veröffentlicht: 14. November 2014 in Berichte, Laufen

BrooklynEinmal im Leben den New York Marathon laufen, davon träumen sicherlich viele Läufer. Für mich ist dieser Traum am 2. November 2014 in Erfüllung gegangen. Noch vor 3 Jahren hätte ich es für vollkommen verrückt gehalten, nach New York zu fliegen um dann dort einen Marathon zu laufen.

Ich hatte bereits durch die Medien vom New York Marathon gehört und sah zufällig 2013 eine Live-Übertragung im TV. Sofort stand für mich fest: Du gehörst genau da hin, das musst Du irgendwann mal machen. Durch eine Werbemail, die mich zufällig erreichte, wurde ich auf die Möglichkeit der Startplatzauslosung aufmerksam. Ansonsten bestand noch die direkte Anmeldemöglichkeit für Nicht-US-Bürger mit einer Marathonbestzeit unter 2:40 Stunden – davon war ich noch eine halbe Stunde entfernt, war also leider nicht möglich. Außerdem war natürlich auch eine Buchung inkl. Startplatzgarantie über einen Reiseanbieter möglich. Die Kosten ab 2000 Euro erschienen mir allerdings zu teuer und mir fehlte die Individualität. Kurzentschlossen kaufte ich mir ein Los. Irgendwo las ich was von einer 6%-igen Chance auf einen Startplatz über die Lotterie und rechnete nicht damit, dass ich ihn tatsächlich bekommen würde. Als ich im März 2014 dann die Bestätigungsmail bekam, konnte ich es kaum glauben und hielt die Mail zunächst für einen Fake. Ich war einfach nur überglücklich und buchte zusammen mit meiner Familie die Flüge und eine Ferienwohnung im New Yorker Stadtteil Queens.

Vor dem New York Marathon standen 2014 trotzdem zunächst viele andere Highlights auf meine Plan: Mein Hauptziel war die Challenge Roth, dem sich alle anderen Events unterordnen mussten. Mein Ziel für New York war einfach nur mitzulaufen und den Marathon zu genießen. Eine neue persönliche Bestzeit hielt ich am Ende der Saison nicht mehr für möglich und so trainierte ich auch nicht mehr speziell auf eine bestimmt Zeit, wollte aber gerne unter 4 Stunden bleiben. Dass ich einen Marathon auf jeden Fall durchbringe, und sei es gehend, war mir spätestens nach der Hitzeschlacht in Roth klar und so konnte ich mental ganz entspannt diesem Event entgegen sehen.Ausgabe der Startnummern

Eine Woche vor dem Marathon flog ich dann mit meiner Familie nach New York und genoß die Woche in vollen Zügen. Bereits das Abholen der Startunterlagen auf dem riesigen Messegelände im Javits Center war ein XXL-Spektakel der ganz besonderen Art. Wie es sich für eine Veranstaltung dieser Größenordnung gehört, war natürlich auch die sich anschließende Sportshoppingmeile entsprechend groß dimensioniert und ich schlug hier mal so richtig zu.

Am nachfolgenden Sonntag war dann endlich der Race Day gekommen. Ich hatte bereits Monate vorher die Anreiseoption “Staten Island Ferry” gewählt und begab mich am Sonntag Morgen um 5 Uhr auf den Weg zur südlichen Spitze Manhattens. Bereits die Überfahrt nach Staten Island war etwas besonderes. Hier konnte ich das erste Mal die Dimension dieses Rennens erahnen. Anschliessend ging es noch gut 20 Minuten mit dem Bus zum Runners Village. Dort angekommen, musste man zunächst den “üblichen” Sicherheitscheck über sich ergehen lassen und dann sein “Village” zu finden. Ich war der ersten Startwelle in der Startgruppe D im grünen Village zugeordnet und begab mich dorthin. Es war mittlerweile 7 Uhr. Mein Start war jedoch erst um 9:40 Uhr, das hieß also fast 3 Stunden warten. Um das nochmal zu verdeutlichen: Ich hatte nur meine Laufklamotten und einen alten Trainingsanzug an. Die Temperaturen lagen bei 3°C und es wehte ein scharfer kalter Wind. Trotzdem war unter allen Läufern eine ganz tolle Stimmung. Es waren wirklich alle Nationen vertreten. Ein New Yorker, der den Marathon bereits öfter gelaufen war, bot mir einen “Warteplatz” auf einem alten Handtuch und einer Plastiktüte direkt neben dem wärmenden Auspuff eines Krankenwagens an. Ich nahm dankend an, unterhielt mich ein wenig mit ihm und verbrachte so den Hauptteil der Wartezeit. Gegen 8:30 Uhr war dann der allgemeine Aufbruch zum eigentlichen Start für die erste Startwelle, der ich ja auch zugeordnet war. Über uns kreisten jetzt ein paar Hellikopter und man spürte das Kribbeln in der Luft. Dieses Gefühl hier tatsächlich am Start des New York Marathons sein, hielt ich immer noch für einen total surrealen Traum und ich glaube vielen Läufern ging es ganz genau so. Man konnte das ganze Adrenalin förmlich riechen.

Um 9:30 Uhr unmittelbar vor dem Start entledigte ich mich, genau wie die meisten anderen Läufer, von einem Großteil meiner wärmenden Zusatzkleidung und war jetzt schutzlos dem Wetter ausgeliefert. Um Punkt 9:40 Uhr wurde dann durch einen Kanonenschuss der Start der ersten Welle signalisiert. Trotz der Vielzahl an Läufern kam kein Gedränge und Geschubse auf, wie hierzulande leider oft beobachtet. Als Einstiegshürde stand die  Verrazano-Narrows Bridge auf dem Plan. Ich liefe locker los, kam gut rein und war schon nach kurzer Zeit auf der Brücke oben angekommen. Was für ein großartiger Ausblick auf New York! Leider konnte man den Ausblick nicht wirklich genießen, denn auf der Brücke wehte der Wind mit teilweise mehr als 80km/h und riss mir fast die Beine weg. Alle Läufer waren sehr vorsichtig und wollten hier nichts riskieren. Insgesamt wurde sehr viel Rücksicht aufeinander genommen.

Kilometer 40Nach dem die Verrazano-Narrows Bridge überwunden war, auf der es keine Zuschauer gab, ging es dann in den Stadtteil Brooklyn. Was für ein Fest! Überall Zuschauer, als würde jeden Moment der Zieleinlauf kommen. Gefühlt alle 500 Meter spielten Bands aller Musikrichtungen live und die Zuschauer kreischten wie bei einem Fußball-WM-Finale, so dass ich viel schneller lief, als ich es eigentlich geplant hatte. Das sollte sich auch nicht mehr ändern. Ich genoss einfach nur alles in vollen Zügen und mir stand überglücklich öfter das Wasser in den Augen. Man kann das eigentlich gar nicht mit Worten beschreiben, aber Läufer werden verstehen, was ich meine.

Die ersten 20 Kilometer vergingen wie im Flug und ich lag super in der Zeit. Von Brooklyn führte die Strecke dann ein kurzes Stück durch Queens und über die Queensboro Bridge zunächst nach Manhatten. Auf der Brücke gab es keine Zuschauer und es war unheimlich ruhig. Meine hörte nur das Geräusch von Schuhen auf Asphalt, keiner sagte etwas, alle liefen nur stumm im gleichen Tempo vor sich hin. Das wirkte auf mich jedoch keineswegs erdrückend, sondern steigerte meine Erwartung auf Manhatten noch mehr – und ich sollte nicht enttäuscht werden. In Manhatten angekommen war sofort wieder ein gewaltiges Getöse. Nach ein paar Kurven führte die Strecke auf die endlos lange First Avenue immer geradeaus bis in die Bronx. Unendlich viele Zuschauer säumten weiterhin den Straßenrand. In der Bronx angekommen spielte ein DJ standesgemäß in Diskolautstärke, das es mir fast das Trommelfell rausriss, mit gefühlten 10.000-Watt-Boxen, den Kultsong “Hip Hop Hooray” von Naughty by Nature. Ich kam mir vor wie in einer Filmkulisse. “Laufe ich hier gerade einen Marathon? Oh, ich bin schon bei Kilometer 30. Muss mal ein bisschen langsamer laufen, sonst bin ich zu schnell durch.” – Was für abartige Gedanken, aber es war tatsächlich so. Ich fühlte mein Beine jetzt natürlich schon und auch mein Tempo ging leicht runter.

Mittlerweile zum zweiten Mal in Manhatten angekommen, meldeten sich ab Kilometer 35 meine Beine dann schon etwas deutlicher und mit Nachdruck, so dass ich beschloss, das Tempo jetzt doch etwas deutlicher zu reduzieren. Ich war ja nicht hier um einen neuen Rekord aufzustellen. Die letzten Kilometer ging es dann wieder unendlich lang geradeaus in sanfter Steigung auf der 5th Avenue in Richtung Central Park. Das Gefühl in einer Filmkulisse zu laufen, wurde ich nicht mehr los. Überall großartige Ausblicke, großartige Läufer und großartige Zuschauer.

Trotzdem wurden die letzten Kilometer nochmal richtig hart für mich und ich musste sogar ein paar Mal gehen. Damit hatte ich jedoch kein Problem. Das schwierige Wetter und überhaupt die ganze harte Saison forderten nun einfach ihren Tribut, den ich auch ehrlich bezahlte. Kurz vor dem Metropolitan Museum of Art bei Kilometer 40 bog ich dann in den Central Park zum Zieleinlauf ein. Den Zieleinlauf selbst fand ich dann relativ unspektakulär. Man hatte aus Bosten und Berlin gelernt und so waren die Zuschauer hier etwas rar.

Im ZielDer Weg war das Ziel und so war es für mich fast nebensächlich als ich nach 3:36 Stunden als 5789. von 50000 Läufer über die Ziellinie lief. Alle Finisher bekamen eine wirklich wunderschöne Medaille und erhielten einen großen Beutel mit Finisher-Verpflegung. Anschließend wurden wir weitergeleitet zu den Gepäckwagen bzw. Läufer welche die Option “ohne Gepäck” gewählt hatten, bekamen einen schicken Mantel und konnten den Zielbereich direkt verlassen. Ich hatte mein Gepäck vorher abgegeben, zog mich ohne zu Duschen um, denn Duschen gab es nicht, und begab mich ganz entspannt zum Eingang des Natural History Museums, den ich als Treffpunkt mit meiner Familie ausgemacht hatte, was auch prima funktionierte.

Man hört oft “Einmal im Leben den New York Marathon laufen … “ – ich hab’s gemacht! Es war großartig und einzigartig. Insgesamt habe ich ja jetzt schon einige Sportveranstaltungen hinter mir und dies war bereits mein 10. Marathon, aber davon werde ich noch meinen Enkelkindern erzählen und mich sicherlich immer positiv daran erinnern. Obwohl das alles nicht ganz billig war, lohnt es sich und ist bis jetzt mit nichts zu vergleichen, was ich vorher gemacht habe. Für dieses Jahr ist jetzt erstmal Schluss – wirklich. Ok, vielleicht mache ich noch bei der ein oder anderen Spaßveranstaltung mit. Im Dezember fange ich mit dem Training für den Ironman Nizza 2015 an – das wird sicherlich auch super!

Advertisements
Kommentare
  1. Gesine Lickfett sagt:

    … oh Alexander, was für ein wundervoller und bewegender Bericht. Ich habe beim Lesen förmlich deine Gefühlslage nachvollziehen können und deine Begeisterung ist ansteckend. Was hast du für ein Glück gehabt, dass du einen Platz bekommen hast, so einen fantastischen run hattest und dass deine Familie auch noch dabei war. Alle Daumen hoch, Gesine

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s