Mein erster Ultramarathon

Veröffentlicht: 3. November 2015 in Berichte, Laufen

AnmeldungSchon lange hatte ich mit dem Gedanken gespielt, auch mal eine längere Strecke als die klassische Marathon-Distanz zu laufen und so wollte ich mein Ultramarathon-Debüt beim 63,3 km langen Röntgenlauf in Remscheid am Sonntag, dem 25.10.2015 geben – einen Tag nach meinem 43. Geburtstag. Dieser Lauf sollte der Abschluss und zweite Höhepunkt (nach Nizza) meiner 2015-er Saison sein.

Meine Vorbereitungszeit betrug ca. 3 Monate, wobei ich auf meine Marathon-Erfahrungen aufbauen konnte. Im Wesentlichen verlängerte ich meine Lauftrainingsumfänge auf bis zu 120 km/Woche und lief drei Trainingsmarathons mit gesteigerter Intensität, um mich auf den Ultramarathon vorzubereiten. Gleichzeitig reduzierte ich meine Radtrainingseinheiten im Herbst auf ein Minimum und trainierte Rad und Schwimmen nur noch als Alternative zu den großen Laufumfängen. Auch zeitlich war einfach nicht mehr drin, da jetzt auch die Tage etwas kürzer wurden und ich nur ungern im Dunkeln draußen laufe. Zu den relativ langen Laufeinheiten streute ich immer wieder kurze bis mittellange harte Intervallläufe ein und spielte auch immer wieder mit meiner Laufgeschwindigkeit. Wie sich später zeigen sollte, brachten diese Trainingseinheiten auch den meisten Effekt.

Am Freitag vor dem Start fuhr ich mit meiner Familie nach Remscheid. Remscheid hat ca. 100.000 Einwohner, gehört zum Bergischen Land und liegt 40 km östlich von Köln – soweit die Geograffischen Daten. Ich war zum ersten Mal in diesem Teil Deutschlands und sehr überrascht, dass es hier doch relativ hüglig zu sein schien. Das Bergische Land eben – wie der Name schon sagt. Den Samstag verbrachten wir mit Sightseeing in Remscheid, womit wir zugegeben ziemlich schnell durch waren und ich checkte zum Lauf ein. Hier bekam man bereits einige Ultra- und Trail-Experten zu Gesicht. Jedenfalls vermutete ich das. Bei der Veranstaltung wurden mehrere Distanzen angeboten: 5, 10, 21, 42, 63 und 100 km. Der 100km-Lauf war 2015 eine Besonderheit, da er nur alle 5 Jahre ausgetragen wird. HuegelDer Klassiker ist jedoch die 63 km Strecke, welche zu 99% auf dem Röntgenweg, ein beschildeter Wanderweg zu Ehren Konrad Röntgens welcher hier gelebt hat, verläuft. Der 100km-Lauf sollte bereits Nachts um 3:00 Uhr starten. Es wurde gemunkelt, dass auch Joey Kelly am Start der 100km sein sollte, was dann aber doch nicht der Fall war. Ich hatte mich jedenfalls für den Klassiker über 63 Kilometer angemeldet, bei dem außerdem die Möglichkeit bestand, an der 21- und 42-Kilometermarke auszusteigen. Insgesamt waren ca. 300 Läufer für die 63-er Strecke angemeldet und ca. 1500 Läufer für die Halb- und Marathon-Strecken. Die 100km-Strecke war auf 270 Läufer beschränkt und bereits vorher ausverkauft gewesen. Weitere 1000 Sportler verteilten sich auf die restlichen Events.

Am Sonntagmorgen starteten dann die 21-er, 42-er und die 63-er Läufer zusammen bei recht trüben Wetter. Ich hatte mir die Strecke in drei gleich lange Abschnitte (Halbmarathons) unterteilt, die ich in konstantem Tempo durchlaufen wollte. Dazu hatte ich mir auch das Streckenprofil grob angesehen. Zu grob, wie ich feststellen sollte. Ich ging davon aus, dass der erste Abschnitt der Strecke insgesamt ein negatives Gefälle haben würde, der zweite Teil hoch ging und der dritte Abschnitt relativ eben sein sollte. Soweit die Theorie. In der Praxis sah das dann so aus: Es ging immer hoch und runter. Lediglich bei Kilometer 45 gab es einen ca. 5 km langen ebenen Abschnitt. Die Strecke verlief größtenteils auf Wanderwegen (60-70%) und Asphalt.

Ich hatte mir vorgenommen, den Lauf unter 6 Stunden zu schaffen, was einem Tempo von ca. 5:40 min/km entsprach. Im Training hatte ich mich auf 5:20 min/km, allerdings für eine flache Strecke, vorbereitet. Üblicherweise laufe ich einen Marathon mit 4:25 – 4:50 min/km – sollte also machbar sein. Allerdings kam ich schon vom ersten Meter an überhaupt nicht in den Tritt, d.h. es war mir wegen der Hügel unmöglich konstantes Tempo zu laufen. SteigungIch änderte meine Strategie und lief bereits den ersten Abschnitt nur nach Pulsbereich, was bei mir ca. 130 bpm bedeutete. Damit kam ich gut klar. Wenn es hoch ging, reduzierte ich das Tempo und wenn es runter ging, versuchte ich schneller zu laufen, achtete aber darauf meine Beinmuskulatur nicht zu sehr zu belasten, denn das würde unausweichlich zu Problemen führen. Den ersten Streckenabschnitt empfand ich insgesamt als sehr anstrengend, brachte ihn aber trotzdem gut hinter mich.

Bereits nach dem ersten Abschnitt, d.h. nach dem Halbmarathon, wurde es auf der Strecke sehr viel ruhiger, denn viele Läufer stiegen hier aus. Nun kam der schwierige zweite Abschnitt mit vielen steilen und längeren Anstiegen. Ich versuchte mich in Gesprächen mit anderen Läufern abzulenken und alles locker zu sehen, was mir auch ganz gut gelang. Dennoch dachte ich gelegentlich daran, nach diesem Abschnitt abzubrechen. Insgesamt empfand ich die Anstrengung härter als beim Brocken-Marathon, den ich zwei Wochen zuvor gelaufen war. Gut ein Drittel der für den Ultramarathon angemeldeten Läufer stieg nach dem zweiten Abschnitt, also einem Marathon aus. Ich zog jedoch durch und wollte jetzt wissen, wie es weiter geht.

Das letzte Drittel zog sich nun erst einmal gemächlich an einem Bach entlang und es ging hier und da mal etwas hoch und runter, aber die fiesen Steigungen blieben zunächst aus. Ab KM 45 lief ich ein ganzen Stück zusammen mit einem Läufer, der mich kurz zuvor angesprochen hatte, ob ich ihn ein Stück mitnehmen könne, da ich noch relativ frisch aussah. Auf dem nun folgenden ziemlich ebenen Abschnitt liefen wir beide teilweise mit 4:50 min/km. Ich dachte die ganze Zeit, dass ich jetzt gleich den großen Einbruch erleben würde und dann überhaupt nichts mehr ginge, aber das passierte nicht, auch wenn sich mein Tempo nach Kilometer 50 drastisch reduzierte und ich jetzt quasi jede härtere Steigung gehen musste. Penibel hielt ich mich an meinen strengen Ernährungsplan: alle 10 km einen Energieriegel, eine Salztablette und viel Wasser –  sonst nichts. Kein Prosecco, kein Bier, keine Pralinen und was sonst noch alles angeboten wurde.

Auf den letzten Kilometern mischten sich dann die Ultraläufer wieder mit den 5- und 10-km-Läufern, welche sehr viel später gestartet waren. Nun war die Ziellinie für mich greifbar und nach einer letzten harten Steigung lief ich dann nach 6:16 h als 30./180 Männern und als 9./30 VorherNachherin meiner Altersklasse M40 in das Ziel ein. Mein Ziel, unter 6 Stunden zu bleiben, hatte ich damit zwar nicht ganz erreicht, aber angesichts der schwierigen Strecke bin ich mit diesem Ergebnis bei meinem Ultramarathon-Debüt höchst zufrieden.

Von den Strapazen habe ich mich dann relativ schnell und gut erholt. Noch am gleichen Abend fuhren wir nach Köln, um dort noch zwei weitere Tage Urlaub zu genießen. Bereits am nächsten Tag schaffte ich die 533 Stufen auf die Spitze des Kölner Doms und ich schaffte die Stufen auch wieder runter. Drei Tage Muskelkater, im Wesentlichen in den Oberschenkeln, und der Lauf war schon fast wieder vergessen.

Nach dem Lauf ist außerdem vor dem Lauf. Auch wenn Ultra so richtig weh tut, ist Ultralaufen leider geil und macht so richtig süchtig nach mehr. Deshalb habe ich mich auch bereits für den nächsten Ultralauf angemeldet, den Ecotrail in Oslo im Mai 2016: 80 Kilometer/1900 hm. Frei nach dem Motto: Höher, schneller, weiter!

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Kommentare
  1. Wow, ein großartiges Ergebnis. Erster Ultra und dann auch noch so einer. Herzlichen Glückwunsch!

    Viel Spaß beim Vorbereiten des nächsten.

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