ÖTillÖ 1000 Lakes Swimrun 2016

Veröffentlicht: 24. Oktober 2016 in Berichte, Schwimmen, swimrun

Am vergangenen Sonntag, dem 23.10.2016, fand die Premiere des ersten ÖTILLÖ 1000 Lakes Swimrun in Deutschland, genauer gesagt in Wesenberg/Rheinsberg  in der Mecklenburger Seenplatte, statt. Am Start: 183 Zweierteams aus 21 Nationen, unter ihnen die weltbesten Swimmrunner … und ich. Beim Original, dem schwedischen ÖTILLÖ (“Von Insel-zu-Insel”), müssen die Athleten ca. 10 km bei ca. 15-16°C Wassertemperatur in der Ostsee schwimmen und 63 km Trail laufen – und das immer im Wechsel. Beim 1000 Lakes Swimrun galt es ebenfalls im 2dsc_0935-er Team insgesamt 10 km zu schwimmen und 32 km zu laufen, verteilt auf 11 Schwimm- und 12 Laufabschnitte.

In Lukas Henze fand ich Anfang des Jahres einen Partner der genauso verrückt war wie ich und u.a. schon erfolgreich den Ostseeman (Triathlon-Langdistanz) und Wakenitzman (Langstreckenschwimmen) gefinisht hat. Lukas ist ein deutlich stärkerer Schwimmer als ich, aber dafür laufe ich (normalerweise) etwas schneller, so dass wir der Meinung waren, das gleicht sich aus und könnte so passen. Als Team “Lüneburg”, wie wir uns nannten, fingen wir jedoch erst einige Wochen vor dem Wettkampf mit dem spezifischen Training an. Im Sommer hatten wir bereits jeder ein Triathlon-Langdistanz-Training durch, so dass die Ausdauerbasis also generell schon bei uns beiden stimmte. Wir trainierten zusammen nur wettkampfspezifisch, d.h. Schwimmen und Laufen immer im Wechsel, und steigerten Woche für Woche die Umfänge. Anfang September konnten wir noch bei kuscheligen 23°C Wassertemperatur und 25°C Lufttemperatur trainieren, aber die Temperaturen fielen dann Anfang Oktober sehr schnell auf eisige 9°C (Wasser) und 5°C (Luft) plus Wind und Regen. Das empfanden wir als die Grenze des für uns derzeit Machbaren und waren nach der letzten langen Trainingseinheit über 4,5 km Schwimmen und 12 km Laufen so richtig platt. Jedoch sollte sich dieses harte Training als Schlüssel zum Erfolg herausstellen.

Unsere Ausrüstung sollte ebenfalls eine große Rolle spielen. Wir hatten uns beide einen speziellen Swimrun-Neoprenanzug zugelegt, den man vorne beim Laufen öffnen konnte. Geschwommen wurde mit Laufschuhen, zum einen als Kälteschutz und zum anderen um lange Wechselzeiten zu vermeiden. Außerdem benutzten wir frisierte bzw. selbstgebaute Pullboys als Auftriebskörper, um wegen der Schuhe in eine bessere Schwimmlage zu kdsc06392ommen. Zusätzlich trugen wir eine Neoprenweste unter dem Anzug, sowie eine Neoprenkappe, welche die empfindlichen Ohren vor der Kälte schützen sollte. Um mehr Druck auf die Hände beim Schwimmen zu bekommen, hatten wir Schwimmpaddles.

Am Sonntag um 8:30 Uhr fiel der Startschuss. Die Wetterbedingungen für diese lange Swimrun-Distanz waren mehr als hart: feuchtkaltes, nebliges Herbstwetter mit 5 °C Luft- und 10-12 °C Wassertemperatur. Da wir jedoch auch unter diesen Bedingungen trainiert hatten, war das im grünen Bereich. Wir hatten uns sehr gut über die 42 km lange Strecke informiert, die quer durch die Mecklenburger Seenplatte verlief, und starteten zurückhaltend im Mittelfeld um gerade am Anfang unsere Kräfte zu schonen. Diese Taktik hatten anscheinend nicht alle Teams gewählt, so dass sich bereits nach 3 km die Hälfte der Teams das erste Mal verlaufen hatte und nach dem zweiten Schwimmabschnitt 20 Teams entkräftet aufgeben mussten.

Bis auf kleinere Pannen lief es bei Lukas und mir bis zum vierten Schwimmabschnitt zunächst ganz gut. Danach sollte eigentlich ein langer Schwimmabschnitt durch den Labussee (1480 m) und dann ein langer Laufabschnitt (8 km) folgen. Dieser fünfte Schwimdsc06401mabschnitt wurde jedoch kurzfristig vom Veranstalter, als Reaktion auf die vielen Abbrüche, während des Rennens gestrichen. Damit verlängerte sich dann allerdings der Laufabschnitt auf 10 km und ein entscheidender Verpflegungspunkt viel aus. Vermutlich diese Tatsache führte bei mir zu einem Einbruch der Laufleistung. Mein Puls ging auf 90% und war für kurze Zeit nur durch Gehpausen in den Griff zu bekommen. Lukas war in dieser Situation sehr stark und baute mich mental wieder auf, so dass das Rennen für uns weiter ging. Obwohl der Veranstalter bereits am Vorabend eine weitere Streckenkürzung um 1000 m auf dem achten Schwimmabschnitt wegen Schlamm entschieden hatte, spielten sich hier viele Dramen ab, von denen wir jedoch nur teilweise etwas mitbekommen haben, weil wir entgegen unserer Annahme sehr weit vorne lagen. Nachdem wir uns mit unseren eigenen Energygels, die wir für den Notfall dabei hatten, selbst versorgt hatten, konnten wir das Lauftempo wieder anziehen und überholten so noch einige Teams. Allerdings brach bei mir, wie bei vielen anderen auch, am Ende die Schwimmleistung massiv ein. Mir fehlte es einfach an Kraft. Lukas hingegen schwamm  sehr stark bis zum Ziel, das wir dann nach 6:13 h als 41. Team erfolgreich erreichten. Von den 183 Teams haben insgesamt 81 Teams aufgeben müssen. Das schnellste Team erreichte die Ziellinie nach 4:42 h und das letzte Team nach zähen 8:56 h.

Insgesamt war der ÖTILLÖ 1000 Lakes Swimrun 2016 neben dem IRONMAN Maastricht mein persönlicher sportlicher Höhepunkt 2016. Laut Presse war das der härteste Swimrun in der Geschichte des ÖTILLÖ. Danke an Lukas für die mentale Unterstützung, ohne die ich es vermutlich nicht geschafft hätte und danke für die großartige Leistung des Veranstalters so einen Event so souverän unter solchen Bedingungen aus dem Boden zu stampfen! Nächstes Jahr gerne wieder …

Hier noch ein paar Links:

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Kommentare
  1. Gesine sagt:

    Ihr seid echte Helden!!!

  2. Robert sagt:

    Ja, echt coole Sache, „kleines“ Brüderchen. Respekt vor allem vor der Schwimmleistung und dem Abschnittslaufen. Gerade mit Neo und dann von Insel zu Insel hoppen saugt förmlich Energie.
    Aber der 41.Teamplatz von über 180 Leuten/Teams ist ein megageiles Ergebnis.

    WOW!!!! 🙂

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