Archiv für die Kategorie ‘Laufen’

Ich lebe (laufe) noch. Mein letzter Beitrag ist jetzt schon etwas länger her, aber große Erfolge gab es in diesem Jahr noch nicht zu berichten und ich war auch bisschen faul, was zu schreiben.

Große (und viele) Ziele waren für das Frühjahr 2016 gesteckt: Indoorman Rostock, 100x100m Schwimmen in Hamburg, Paris-Marathon, Hamburg-Marathon und als Frühjahrsfinale der 80km-Ultra Ecotrail in Oslo – etwas unfokusiert eben. Mein Hauptziel lag mal wieder darauf, endlich einen Marathon unter 3 Stunden zu laufen. Gleichzeitig wollte ich aber auch meine Schwimm- und Radleistung verbessern.

Ich versuchte zunächst mein Training auf das Laufen zu konzentrieren, trainierte aber viel zu einseitige Intensitäten. Um die harten, schnellen Intervalle mogelte ich mich gerne mal drum herum und an schnellen Wettkämpfen nahm ich auch nicht teil. Lediglich einen Halbmarathon absolvierte ich mehr Recht als schlecht in 1:32 h. Stabi-Training und Lauf-ABC? Fehlanzeige! Es kam was kommen musste, bereits der Paris-Marathon lief mit 3:35 h nicht sonderlich gut. Damit hatte ich aber schon gerechnet. Als Ursache machte ich schnell das zu warme Wetter, schlechte Vorbereitung, falsches Training und falsche persönliche Einstellung aus. Wenigstens hatte ich eine Woche schönen Urlaub in Paris.

Zwei Wochen später In Hamburg sollte es besser laufen. Mit 3:20 h Netto-Zeit war allerdings  die 3-Stunden-Marke in weite Ferne gerückt. Ok, ist dann halt so. Ich bin ja jetzt auch schon bisschen älter, da wird man halt langsamer, oder? Laut einer Prognose, die ich mal irgendwo im Web gelesen habe, soll ich die 3 Stunden aber noch bis zum 50. Lebensjahr theoretisch schaffen können. Woll’n wir mal sehen …

Dummerweise machte ich nach diesen zwei Marathons den Kapitalfehler nicht ausreichend zu pausieren/regenerieren. Folge: Eine Woche später fette Knochenhautenzündung im Schienbein. Super! Hatte ich letztes Jahr auch schon, nur im anderen Bein – haben wir wohl wieder nichts gelernt. Den 80km-Ultratrail in Oslo konnte ich somit also vergessen. Da mein Schienbein dank 2-wöchigem Laufverzicht jedoch ausgesprochen schnell heilte, beschloss ich, es in Oslo dennoch auf der 30-km-Strecke zu versuchen, was dann auch gut ging. Der Ecotrail in Oslo war großartig. Herrliche Landschaft und ein wirklich einmaliges Lauferlebnis plus eine Woche Urlaub in Oslo.

Zusammenfassend kann man sagen, dass ich einige blöde Anfängerfehler in der Frühjahrsaison gemacht habe, aber letztendlich noch mit einem blauen Auge davon gekommen bin, sprich: Ich habe immer noch Spaß am Laufen und ich bin nicht verletzt. Im Herbst gebe ich mir dann wieder die Kante, aber jetzt beginnen ersteinmal die Triathlons. Möge die Spiele beginnen!

Notiz an mich: Nächstes Jahr keinen Marathon auf Zeit im Frühjahr laufen, sondern mich selbst erst im Herbst abschießen, damit ich im Winter auch vernünftig regenerieren kann/muss. Mehr von diesem Trail-Scheiß! Das macht einfach irre Spaß.

Finisher

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Mein erster Ultramarathon

Veröffentlicht: 3. November 2015 in Berichte, Laufen

AnmeldungSchon lange hatte ich mit dem Gedanken gespielt, auch mal eine längere Strecke als die klassische Marathon-Distanz zu laufen und so wollte ich mein Ultramarathon-Debüt beim 63,3 km langen Röntgenlauf in Remscheid am Sonntag, dem 25.10.2015 geben – einen Tag nach meinem 43. Geburtstag. Dieser Lauf sollte der Abschluss und zweite Höhepunkt (nach Nizza) meiner 2015-er Saison sein.

Meine Vorbereitungszeit betrug ca. 3 Monate, wobei ich auf meine Marathon-Erfahrungen aufbauen konnte. Im Wesentlichen verlängerte ich meine Lauftrainingsumfänge auf bis zu 120 km/Woche und lief drei Trainingsmarathons mit gesteigerter Intensität, um mich auf den Ultramarathon vorzubereiten. Gleichzeitig reduzierte ich meine Radtrainingseinheiten im Herbst auf ein Minimum und trainierte Rad und Schwimmen nur noch als Alternative zu den großen Laufumfängen. Auch zeitlich war einfach nicht mehr drin, da jetzt auch die Tage etwas kürzer wurden und ich nur ungern im Dunkeln draußen laufe. Zu den relativ langen Laufeinheiten streute ich immer wieder kurze bis mittellange harte Intervallläufe ein und spielte auch immer wieder mit meiner Laufgeschwindigkeit. Wie sich später zeigen sollte, brachten diese Trainingseinheiten auch den meisten Effekt.

Am Freitag vor dem Start fuhr ich mit meiner Familie nach Remscheid. Remscheid hat ca. 100.000 Einwohner, gehört zum Bergischen Land und liegt 40 km östlich von Köln – soweit die Geograffischen Daten. Ich war zum ersten Mal in diesem Teil Deutschlands und sehr überrascht, dass es hier doch relativ hüglig zu sein schien. Das Bergische Land eben – wie der Name schon sagt. Den Samstag verbrachten wir mit Sightseeing in Remscheid, womit wir zugegeben ziemlich schnell durch waren und ich checkte zum Lauf ein. Hier bekam man bereits einige Ultra- und Trail-Experten zu Gesicht. Jedenfalls vermutete ich das. Bei der Veranstaltung wurden mehrere Distanzen angeboten: 5, 10, 21, 42, 63 und 100 km. Der 100km-Lauf war 2015 eine Besonderheit, da er nur alle 5 Jahre ausgetragen wird. HuegelDer Klassiker ist jedoch die 63 km Strecke, welche zu 99% auf dem Röntgenweg, ein beschildeter Wanderweg zu Ehren Konrad Röntgens welcher hier gelebt hat, verläuft. Der 100km-Lauf sollte bereits Nachts um 3:00 Uhr starten. Es wurde gemunkelt, dass auch Joey Kelly am Start der 100km sein sollte, was dann aber doch nicht der Fall war. Ich hatte mich jedenfalls für den Klassiker über 63 Kilometer angemeldet, bei dem außerdem die Möglichkeit bestand, an der 21- und 42-Kilometermarke auszusteigen. Insgesamt waren ca. 300 Läufer für die 63-er Strecke angemeldet und ca. 1500 Läufer für die Halb- und Marathon-Strecken. Die 100km-Strecke war auf 270 Läufer beschränkt und bereits vorher ausverkauft gewesen. Weitere 1000 Sportler verteilten sich auf die restlichen Events.

Am Sonntagmorgen starteten dann die 21-er, 42-er und die 63-er Läufer zusammen bei recht trüben Wetter. Ich hatte mir die Strecke in drei gleich lange Abschnitte (Halbmarathons) unterteilt, die ich in konstantem Tempo durchlaufen wollte. Dazu hatte ich mir auch das Streckenprofil grob angesehen. Zu grob, wie ich feststellen sollte. Ich ging davon aus, dass der erste Abschnitt der Strecke insgesamt ein negatives Gefälle haben würde, der zweite Teil hoch ging und der dritte Abschnitt relativ eben sein sollte. Soweit die Theorie. In der Praxis sah das dann so aus: Es ging immer hoch und runter. Lediglich bei Kilometer 45 gab es einen ca. 5 km langen ebenen Abschnitt. Die Strecke verlief größtenteils auf Wanderwegen (60-70%) und Asphalt.

Ich hatte mir vorgenommen, den Lauf unter 6 Stunden zu schaffen, was einem Tempo von ca. 5:40 min/km entsprach. Im Training hatte ich mich auf 5:20 min/km, allerdings für eine flache Strecke, vorbereitet. Üblicherweise laufe ich einen Marathon mit 4:25 – 4:50 min/km – sollte also machbar sein. Allerdings kam ich schon vom ersten Meter an überhaupt nicht in den Tritt, d.h. es war mir wegen der Hügel unmöglich konstantes Tempo zu laufen. SteigungIch änderte meine Strategie und lief bereits den ersten Abschnitt nur nach Pulsbereich, was bei mir ca. 130 bpm bedeutete. Damit kam ich gut klar. Wenn es hoch ging, reduzierte ich das Tempo und wenn es runter ging, versuchte ich schneller zu laufen, achtete aber darauf meine Beinmuskulatur nicht zu sehr zu belasten, denn das würde unausweichlich zu Problemen führen. Den ersten Streckenabschnitt empfand ich insgesamt als sehr anstrengend, brachte ihn aber trotzdem gut hinter mich.

Bereits nach dem ersten Abschnitt, d.h. nach dem Halbmarathon, wurde es auf der Strecke sehr viel ruhiger, denn viele Läufer stiegen hier aus. Nun kam der schwierige zweite Abschnitt mit vielen steilen und längeren Anstiegen. Ich versuchte mich in Gesprächen mit anderen Läufern abzulenken und alles locker zu sehen, was mir auch ganz gut gelang. Dennoch dachte ich gelegentlich daran, nach diesem Abschnitt abzubrechen. Insgesamt empfand ich die Anstrengung härter als beim Brocken-Marathon, den ich zwei Wochen zuvor gelaufen war. Gut ein Drittel der für den Ultramarathon angemeldeten Läufer stieg nach dem zweiten Abschnitt, also einem Marathon aus. Ich zog jedoch durch und wollte jetzt wissen, wie es weiter geht.

Das letzte Drittel zog sich nun erst einmal gemächlich an einem Bach entlang und es ging hier und da mal etwas hoch und runter, aber die fiesen Steigungen blieben zunächst aus. Ab KM 45 lief ich ein ganzen Stück zusammen mit einem Läufer, der mich kurz zuvor angesprochen hatte, ob ich ihn ein Stück mitnehmen könne, da ich noch relativ frisch aussah. Auf dem nun folgenden ziemlich ebenen Abschnitt liefen wir beide teilweise mit 4:50 min/km. Ich dachte die ganze Zeit, dass ich jetzt gleich den großen Einbruch erleben würde und dann überhaupt nichts mehr ginge, aber das passierte nicht, auch wenn sich mein Tempo nach Kilometer 50 drastisch reduzierte und ich jetzt quasi jede härtere Steigung gehen musste. Penibel hielt ich mich an meinen strengen Ernährungsplan: alle 10 km einen Energieriegel, eine Salztablette und viel Wasser –  sonst nichts. Kein Prosecco, kein Bier, keine Pralinen und was sonst noch alles angeboten wurde.

Auf den letzten Kilometern mischten sich dann die Ultraläufer wieder mit den 5- und 10-km-Läufern, welche sehr viel später gestartet waren. Nun war die Ziellinie für mich greifbar und nach einer letzten harten Steigung lief ich dann nach 6:16 h als 30./180 Männern und als 9./30 VorherNachherin meiner Altersklasse M40 in das Ziel ein. Mein Ziel, unter 6 Stunden zu bleiben, hatte ich damit zwar nicht ganz erreicht, aber angesichts der schwierigen Strecke bin ich mit diesem Ergebnis bei meinem Ultramarathon-Debüt höchst zufrieden.

Von den Strapazen habe ich mich dann relativ schnell und gut erholt. Noch am gleichen Abend fuhren wir nach Köln, um dort noch zwei weitere Tage Urlaub zu genießen. Bereits am nächsten Tag schaffte ich die 533 Stufen auf die Spitze des Kölner Doms und ich schaffte die Stufen auch wieder runter. Drei Tage Muskelkater, im Wesentlichen in den Oberschenkeln, und der Lauf war schon fast wieder vergessen.

Nach dem Lauf ist außerdem vor dem Lauf. Auch wenn Ultra so richtig weh tut, ist Ultralaufen leider geil und macht so richtig süchtig nach mehr. Deshalb habe ich mich auch bereits für den nächsten Ultralauf angemeldet, den Ecotrail in Oslo im Mai 2016: 80 Kilometer/1900 hm. Frei nach dem Motto: Höher, schneller, weiter!

Marathon-Triple Berlin-Bremen-Brocken

Veröffentlicht: 14. Oktober 2015 in Berichte, Laufen

IMG_2876Zwei Wochen, drei Marathons. In einem spontanen Selbstversuch lief ich Berlin, Bremen und den Brocken im Harz. Mein Trainingsplan für den Ende Oktober geplanten Ultramarathon sah in den letzten Wochen mehrere längere Trainingsläufe bis 40 km vor. Ich dachte mir: „Dann kannst du eigentlich auch gleich einen Marathon laufen.“. Für Berlin war ich sowieso bereits seit fast einem Jahr angemeldet, damals allerdings noch mit Sub-3-Ambitionen. Ich wollte in Berlin noch mal versuchen, die 3-Stunden-Marke zu knacken. Für das Ultralauftraining war mir das Risiko einer Verletzung allerdings viel zu groß, deshalb beschloss ich den Berliner-Marathon (nur) in 3:30 h als Trainingslauf zu machen und landete auf den Punkt im Ziel. Irgendwie kam ich auf den genialen Gedanken: “Könntest ja einen zweiten Marathon hinterherlaufen.”. Gedacht – getan. Also startete ich auch noch in Bremen eine Woche nach dem Berliner-Marathon. Da ich nicht wusste, wie es in Bremen laufen würde, setzte ich mir kein großes Ziel, sondern wollte eigentlich nur “entspannt” durchlaufen. Das lief dann so entspannt (3:28 h), dass ich schon auf der Rückfahrt von Bremen darüber nachdachte, noch einen Marathon eine weitere Woche später zu wagen. Die Auswahl an Marathons war allerdings nur begrenzt: entweder 11 Runden um den Öjendorfer-See, was mir ziemlich öde erschien, oder Norddeutschlands schwersten Marathon auf den 1142 m hohen Brocken im Harz, was mir als ziemlich hart und risikoreich erschien. Trotzdem, oder gerade deswegen, entschied ich mich für den Brocken und kam auch hier überraschenderweise in 4:00 h (und 4 Sekunden 😦 ) sehr gut durch. (Hatte hinterher allerdings ein paar Tage Muskelkater)

Die drei Marathons könnten kaum unterschiedlicher sein: Berlin – eine Massenveranstaltung in der Großstadt für Bestzeitenjäger, Bremen – ganz klar eine Spaßveranstaltung für Liebhaber und der Brocken – ein etwas härterer Landschaftslauf für den Trailnerd. Ich persönlich war von Bremen besonders positiv überrascht und von Berlin etwas enttäuscht. Der Brocken ist sowieso etwas besonderes.

Ein kurzer Überblick:

Berlin-Marathon Bremen-Marathon Brocken-Marathon
Startgebühren 128 Euro 62 Euro 40 Euro
Nachmeldung vor Ort möglich nein ja ja
Startunterlagen am Wettkampftag nein ja ja
Finisher-Shirt ja ja nein (nicht bestellt)
Medaille ja ja ja
Strecke flach, Asphalt, voll flach, Asphalt, Wege bergig, Trail, ruhig
Läufer (ca.) 40.000 1.000 700
Läufertypen Bestzeitenjäger Spaßhabenwoller Ultra- und Trailnerds
Zuschauer entlang der ganzen Strecke + Hotspots Hotspots, Party-Stimmung Start/Ziel-Bereich und am Gipfel
Netto-Zeit 3:30 h 3:28 h 4:00 h
Ausstattung im Ziel-Bereich gut sehr gut gut

 

Daumen hoch für den Bremer-Marathon

Daumen hoch für den Bremer-Marathon

Seit Nizza ist jetzt etwas Zeit ins Land gezogen und meine 2015-er-Saison nährt sich mit großen Schritten dem Ende entgegen. Allerdings stehen noch ein paar Todo’s auf meinem Zettel, wie z.B. der Berliner-Marathon, der Rostocker-Triathlon und als Herbst-Highlight mein erster Ultramarathon, der 63 Kilometer lange Röntgenlauf in Remscheid, den ich mir quasi zum Geburtstag schenke. Was gibt’s Schöneres? 😉

FoerdecrossingNach Nizza musste ich ein paar Wunden lecken. Eine Entzündung im Schienbein (Schienbeinkantensyndrom oder auch Shine Splints genannt – nach Selbstdiagnose), die ich bereits seit dem Hamburg-Marathon mit mir rumschleppte, jedoch nicht richtig ernst genommen hatte, zwang mich zunächst dazu mein Training massiv runterzufahren. In der Konsequenz bedeutete das für mich auch die Absage des Osteeeman-Triathlons bei dem ich eigentlich in der Staffel einen Marathon laufen wollte. Ich tröstete mich  mit der Teilnahme an der Rostocker-Marathonnacht, bei der ich allerdings nur die Halbmarathondistanz lief. Eine Woche zuvor war ich bereits  Landesligaverpflichtungen beim Silbersee Triathlon in Stuhr (Nähe Bremen) auf der olympischen Distanz (1,9K Swim, 40K Bike, 10K Run) nachgekommen und konnte mit 2:29 h eine für mich sehr gute Zeit hinlegen.

Ein weiteres Highlight war meine Teilnahme am Fördecrossing, einem Open-Water-Schwimmevent in der Nähe von Flensburg, beim dem man in der Ostsee von Dänemark nach Deutschland ca. 3 km zu schwimmen hatte. Perfektes Wetter, d.h. Sonne, leichter Rückenwind, 21°C Wassertemperatur, und ein perfekt organisierter Wettkampf sorgten für entsprechend gute Laune und eine neue Bestzeit (51 Minuten) für mich auf dieser Distanz. Nächstes Jahr gerne wieder …

Derzeit trainiere ich auf den Ultramarathon nach einem 70-km-Trainingsplan von Hubert Beck mit Zielzeit von 6:30 h. Mein Ziel ist es den Röntgenlauf unter 6 Stunden zu laufen, was ich auch für machbar halte. Allerdings habe ich bisher keine Ultralauf-Erfahrung, deshalb wird es sehr spannend, wie dieser Lauf für mich ausgehen wird. Der Trainingsplan sieht u.a. auch mehrere 40-km-Trainingsläufe vor, weshalb ich den 4 Wochen früher stattfindenden Berliner-Marathon “nur” als Trainingslauf absolvieren will. Mein Ziel: Spaß haben und Berlin genießen!

Hamburg Marathon 2015

Veröffentlicht: 29. April 2015 in Berichte, Laufen

DSC_0099Bereits zum 4. Mal in Folge habe ich am 26.April 2015 den Hamburg Marathon bestritten. Dieses Mal nur mit mäßigem Erfolg von 3:25 h. Mein Anspruch war es, diesen Marathon unter 3 Stunden oder wenigstens in 3:0x h zu finishen. Zwar körperlich fit, trotz überstandener Erkältung, war die Hauptursache für mein “Scheitern” jedoch ein mentales Tief bereits im ersten Drittel des Marathons.

Vorbereitung

Wie bereits in den Jahren zuvor, was ich definitiv ändern werde, trainierte ich nach einem Trainingsplan von Hubert Beck auf die 3-Stunden-Marke. Die Vorraussetzungen stimmten, da ich bereits im vergangenen Jahr die gleiche Strecke in 3:11 h gelaufen war. Das Training beinhaltete z.B. 15x1000m-Intervalle mit 3:55-er-Pace, mehrere lange 35-km-Läufe mit Temposteigerung in der zweiten Hälfte, usw. Der maximale Laufumfang sollte 100 km/Woche sein. Außerdem waren im Vorfeld mehrere Test-Wettkämpfe geplant, u.a. 10 km in 38 Minuten und ein Halbmarathon in 1:26 h. Soweit die Theorie …

In der Praxis gestaltet sich das Training jedoch schwierig, denn als Triathlet will man neben dem Laufen auch noch Radfahren und Schwimmen. Da kommen schnell mal 12-16 Trainingsstunden pro Woche zusammen. Von Familie und Beruf ganz zu schweigen. Teilweise kann man Laufeinheiten natürlich durch die anderen beiden Sportarten ersetzen, aber es bleibt ein Kompromiss, den man eingehen muss.

Renntag

Am Sonntag waren die Wetterverhältnisse fast optimal: 12°C, ein leichter Wind aus Südwest, überwiegend bedeckter Himmel mit gelegentlichem Nieselregen, der aber nicht störte. Für die fast 30.000 Läufer (darunter 19.500 Marathonis) hatte der Veranstalter großzügig Platz auf dem Hamburger Messegelände angemietet, wo man sich ganz entspannt auf den Lauf vorbereiten konnte. Jeder Läufer war einem Startblock von A bis N zugeordnet. Da ich bei meiner Anmeldung als Zielzeit 2:59 h angegeben hatte, stand ich im Startblock B direkt hinter den Profis, was sich im Nachhinein als großer Fehler erwies. Punkt 9:00 Uhr dann der Startglockenschlag (wegen des Waffenverbots war keine Startschuss erlaubt).

Auf den ersten Kilometern lief ich bereits zu schnell mit einem 4:20-er Pace an, weil ich ja nur von schnellen Läufern aus dem Block B umgeben war. Ich versuchte meine Geschwindigkeit zu drosseln, da ich Probleme im letzten Drittel des Marathons befürchtete. Es fiel mir jedoch äußerst schwer, langsamer zu laufen. Ich wurde nur überholt und das zerrte bereits schwer an meiner Motivation. Es wurde nicht besser. Obwohl ich mich körperlich fit fühlte, beschäftigte sich mein Kopf nur mit negativen Gedanken: dies kann schiefgehen, das kann schiefgehen, der Regen, das Knie, die Wade, die Erkältung, …. Trotzdem hielt ich mich bis km 15 noch an meinen Plan und dann ging es abwärts ….

Meine Motivation hatte einen absoluten Tiefpunkt erreicht und ich dachte bereits an einen Ausstieg aus dem Rennen. Dieser Gedanke zog mich noch weiter nach unten. Um etwas Druck rauszunehmen, lief ich deshalb jetzt deutlich langsamer (4:40 min/km) als mein Plan (4:25 min/km) es vorsah. Bis zur Halbmarathonmarke, die ich nach 1:35 h erreichte, konnte ich mich so noch durchretten, dann wurde es richtig schlimm. Meine Motivation sank weiter und jetzt spürte ich natürlich auch meinen Körper. Ich reduzierte die Geschwindigkeit weiter auf 4:50 min/km und liefe so mehr oder weniger bis km 35 durch. Ab km 35 ging ich dann auch einige Male und mein Pace stieg über 5 min/km. Das war jedoch nicht körperlich bedingt, sondern einen reine Kopfsache. Letztendlich erreichte ich das Ziel nach 3:25 h, womit ich noch ganz zufrieden sein kann.

Was habe ich gelernt?

Bei ambitionierten Zielen ist die Startposition sehr wichtig. Man darf nicht zu weit vorne starten, sonst wird man nur überholt, was einen ziemlich fertig machen kann. Außerdem ist es speziell beim Marathon wichtig, auf den ersten Kilometern Körner zu sparen, die man ab km 30 brauchen wird. Allerdings sollte man auch nicht zu weit hinten starten bzw. zu langsam starten. Dann wird es schwierig auf die geplante Geschwindigkeit zu kommen und man muss viele langsamere Läufer umständlich überholen, was wichtige Energie kostet.

Positiv Denken. Negatives Denken muss man unbedingt vermeiden. Sollte mir das wieder passieren, werde ich mir vielleicht mehr Motivation vom Publikum “abholen”. Vielleicht mal einen kleine Showeinlage um etwas bejubelt zu werden. Die Zuschauer werden es lieben.

In der Vorbereitung zum Marathon ist für mich mehr Abwechslung im Training nötig. Vielleicht mal wieder Barfuß laufen, neue Strecken ausprobieren, schneller, langsamer, länger, kürzer, hügliger, mit Freunden …. Das macht Spaß und lässt negatives Denken gar nicht erst aufkommen.

Regeneration ist wichtig für Körper und Geist. Außerdem muss ich noch lernen, mit längeren Trainingsausfällen (10 Tage wegen einer Erkältung) klarzukommen.

Und nun?

Als nächstes steht für mich der IRONMAN France in Nizza am 28.Juni 2015 auf dem Plan, deshalb werde ich ab jetzt Laufen nur noch als Ausgleich zum Radfahren und Schwimmen machen. Vor Nizza werde ich keine reinen Laufwettkämpfe mehr bestreiten. Anfang August folgt dann ein ”kleiner” Staffelauftritt beim Ostseeman, wo ich den Laufteil (Marathon) übernehme. Eine Woche später schwimme ich beim Fördecrossing in der Ostsee von Dänemark nach Deutschland. Im September steht dann der Berlin-Marathon an. Mein Ziel ist mir noch unklar. Evtl. versuche ich dort aber nochmal die 3:10 h zu knacken.

Erste Erfolge beim Straßenlaufcup der LG HNF

Veröffentlicht: 18. März 2015 in Berichte, Laufen

408Zum Einstieg in die Wettkampfsaison 2015 und zur Vorbereitung auf den Hamburg Marathon hatte ich mir den Straßenlaufcup der LG HNF im Süden Hamburgs auserkoren. Die Laufserie bestand aus insgesamt 3 Läufen, welche im Abstand von jeweils 2 Wochen ausgetragen wurden mit 10, 15 und 21 Kilometern Laufstrecke. Die Summe der Zeiten dieser 3 Läufe solle ein guter Indiz für die mögliche Zeit im Marathon sein, so hieß es in der Ausschreibung.

Die Laufserie wurde nicht großartig beworben, so dass ich insgeheim auf wenig Teilnehmer und somit eine gute Platzierung hoffte, evtl. sogar mal einen Pokal mit nach Hause nehmen könnte. Schon beim ersten Lauf platzten meine Hoffnungen jedoch wie eine Seifenblase. Es waren zwar tatsächlich nur 189 Läufer/-innen am Start, aber mit geübtem Auge konnte ich bereits in der Aufstellung ein hochklassiges Teilnehmerfeld ausmachen.

Die Laufstrecke verlief relativ unspektakulär auf einer alten Teerstraße mitten durch die  Harburger Berge und hatte einen Wendepunkt bei Kilometer 5 bzw. bei Kilometer 7,5 im zweiten Lauf. Für den dritten Lauf musste die 10-Kilometer-Strecke zweimal durchlaufen werden. Das Profil der Strecke war sehr anspruchsvoll, denn es ging die ersten 5 Kilometer leicht bergab und dann zurück natürlich leicht bergauf, teilweise auf Kopfsteinplaster und durch matschige Abschnitte. Insbesondere der letzte Kilometer erwies sich als ganz besonders fies, da hier die Steigung am größten war.

Beim ersten Lauf über 10 Kilometer lief es für mich nicht schlecht. Ich ging mit nur geringen Erwartungen an den Start und wollte meine Form überprüfen. Gleich nach dem Startschuss lief eine Gruppe von ca. 30 Läufern vorweg und ich hatte Mühe und Not dranzubleiben, obwohl ich mit einer Geschwindigkeit von knapp über 4 Minuten pro Kilometer nicht gerade langsam lief. Bei diesem Lauf schafften bereits 28 Läufer (von 189) eine Zeit unter 40 Minuten und die restlichen Läufer waren auch nicht viel langsamer. Ich erreichte lediglich als 38. von 126 Männern völlig k.o. nach 41:26 Minuten das Ziel, war jedoch trotzdem sehr zufrieden mit meinem ersten Lauf in diesem Jahr.

Der zweite und dritte Lauf verlief ähnlich, ich konnte mich jedoch leicht steigern. Auf der 15-Km-Strecke erreichte ich Platz 17 von jetzt nur noch 70 Männern und Platz 4 in meiner Altersklasse M40 mit 1:03:04 h. In der Gesamtwertung rangierte ich in der M40 jetzt auf Platz 5. Beim Halbmarathon erreichte ich dann Platz 15 von 72 Männern und den 3. in der M40 mit neuer persönlicher Bestzeit in 1:29:25 h. In der Gesamtwertung erreichte ich mit 3:13:55 h ebenfalls Platz 3 in der M40 mit nur 2:30 Minuten Rückstand auf den Erstplatzieren in der M40, Steffen Wetzel, und schrammte somit knapp am Pokal vorbei. Schade – allerdings sei es Steffen gegönnt, der ebenfalls hart gekämpft hat.

Als nächstes steht der Freiburg-Halbmarathon auf meinem Plan, bei dem ich nochmal meine Zeit verbessern will. Mal schauen ob auch 1:28 h “geht” …

Artikel aus dem Hamburger Abendblatt vom 18.03.2015:

Artikel

New York Marathon 2014

Veröffentlicht: 14. November 2014 in Berichte, Laufen

BrooklynEinmal im Leben den New York Marathon laufen, davon träumen sicherlich viele Läufer. Für mich ist dieser Traum am 2. November 2014 in Erfüllung gegangen. Noch vor 3 Jahren hätte ich es für vollkommen verrückt gehalten, nach New York zu fliegen um dann dort einen Marathon zu laufen.

Ich hatte bereits durch die Medien vom New York Marathon gehört und sah zufällig 2013 eine Live-Übertragung im TV. Sofort stand für mich fest: Du gehörst genau da hin, das musst Du irgendwann mal machen. Durch eine Werbemail, die mich zufällig erreichte, wurde ich auf die Möglichkeit der Startplatzauslosung aufmerksam. Ansonsten bestand noch die direkte Anmeldemöglichkeit für Nicht-US-Bürger mit einer Marathonbestzeit unter 2:40 Stunden – davon war ich noch eine halbe Stunde entfernt, war also leider nicht möglich. Außerdem war natürlich auch eine Buchung inkl. Startplatzgarantie über einen Reiseanbieter möglich. Die Kosten ab 2000 Euro erschienen mir allerdings zu teuer und mir fehlte die Individualität. Kurzentschlossen kaufte ich mir ein Los. Irgendwo las ich was von einer 6%-igen Chance auf einen Startplatz über die Lotterie und rechnete nicht damit, dass ich ihn tatsächlich bekommen würde. Als ich im März 2014 dann die Bestätigungsmail bekam, konnte ich es kaum glauben und hielt die Mail zunächst für einen Fake. Ich war einfach nur überglücklich und buchte zusammen mit meiner Familie die Flüge und eine Ferienwohnung im New Yorker Stadtteil Queens.

Vor dem New York Marathon standen 2014 trotzdem zunächst viele andere Highlights auf meine Plan: Mein Hauptziel war die Challenge Roth, dem sich alle anderen Events unterordnen mussten. Mein Ziel für New York war einfach nur mitzulaufen und den Marathon zu genießen. Eine neue persönliche Bestzeit hielt ich am Ende der Saison nicht mehr für möglich und so trainierte ich auch nicht mehr speziell auf eine bestimmt Zeit, wollte aber gerne unter 4 Stunden bleiben. Dass ich einen Marathon auf jeden Fall durchbringe, und sei es gehend, war mir spätestens nach der Hitzeschlacht in Roth klar und so konnte ich mental ganz entspannt diesem Event entgegen sehen.Ausgabe der Startnummern

Eine Woche vor dem Marathon flog ich dann mit meiner Familie nach New York und genoß die Woche in vollen Zügen. Bereits das Abholen der Startunterlagen auf dem riesigen Messegelände im Javits Center war ein XXL-Spektakel der ganz besonderen Art. Wie es sich für eine Veranstaltung dieser Größenordnung gehört, war natürlich auch die sich anschließende Sportshoppingmeile entsprechend groß dimensioniert und ich schlug hier mal so richtig zu.

Am nachfolgenden Sonntag war dann endlich der Race Day gekommen. Ich hatte bereits Monate vorher die Anreiseoption “Staten Island Ferry” gewählt und begab mich am Sonntag Morgen um 5 Uhr auf den Weg zur südlichen Spitze Manhattens. Bereits die Überfahrt nach Staten Island war etwas besonderes. Hier konnte ich das erste Mal die Dimension dieses Rennens erahnen. Anschliessend ging es noch gut 20 Minuten mit dem Bus zum Runners Village. Dort angekommen, musste man zunächst den “üblichen” Sicherheitscheck über sich ergehen lassen und dann sein “Village” zu finden. Ich war der ersten Startwelle in der Startgruppe D im grünen Village zugeordnet und begab mich dorthin. Es war mittlerweile 7 Uhr. Mein Start war jedoch erst um 9:40 Uhr, das hieß also fast 3 Stunden warten. Um das nochmal zu verdeutlichen: Ich hatte nur meine Laufklamotten und einen alten Trainingsanzug an. Die Temperaturen lagen bei 3°C und es wehte ein scharfer kalter Wind. Trotzdem war unter allen Läufern eine ganz tolle Stimmung. Es waren wirklich alle Nationen vertreten. Ein New Yorker, der den Marathon bereits öfter gelaufen war, bot mir einen “Warteplatz” auf einem alten Handtuch und einer Plastiktüte direkt neben dem wärmenden Auspuff eines Krankenwagens an. Ich nahm dankend an, unterhielt mich ein wenig mit ihm und verbrachte so den Hauptteil der Wartezeit. Gegen 8:30 Uhr war dann der allgemeine Aufbruch zum eigentlichen Start für die erste Startwelle, der ich ja auch zugeordnet war. Über uns kreisten jetzt ein paar Hellikopter und man spürte das Kribbeln in der Luft. Dieses Gefühl hier tatsächlich am Start des New York Marathons sein, hielt ich immer noch für einen total surrealen Traum und ich glaube vielen Läufern ging es ganz genau so. Man konnte das ganze Adrenalin förmlich riechen.

Um 9:30 Uhr unmittelbar vor dem Start entledigte ich mich, genau wie die meisten anderen Läufer, von einem Großteil meiner wärmenden Zusatzkleidung und war jetzt schutzlos dem Wetter ausgeliefert. Um Punkt 9:40 Uhr wurde dann durch einen Kanonenschuss der Start der ersten Welle signalisiert. Trotz der Vielzahl an Läufern kam kein Gedränge und Geschubse auf, wie hierzulande leider oft beobachtet. Als Einstiegshürde stand die  Verrazano-Narrows Bridge auf dem Plan. Ich liefe locker los, kam gut rein und war schon nach kurzer Zeit auf der Brücke oben angekommen. Was für ein großartiger Ausblick auf New York! Leider konnte man den Ausblick nicht wirklich genießen, denn auf der Brücke wehte der Wind mit teilweise mehr als 80km/h und riss mir fast die Beine weg. Alle Läufer waren sehr vorsichtig und wollten hier nichts riskieren. Insgesamt wurde sehr viel Rücksicht aufeinander genommen.

Kilometer 40Nach dem die Verrazano-Narrows Bridge überwunden war, auf der es keine Zuschauer gab, ging es dann in den Stadtteil Brooklyn. Was für ein Fest! Überall Zuschauer, als würde jeden Moment der Zieleinlauf kommen. Gefühlt alle 500 Meter spielten Bands aller Musikrichtungen live und die Zuschauer kreischten wie bei einem Fußball-WM-Finale, so dass ich viel schneller lief, als ich es eigentlich geplant hatte. Das sollte sich auch nicht mehr ändern. Ich genoss einfach nur alles in vollen Zügen und mir stand überglücklich öfter das Wasser in den Augen. Man kann das eigentlich gar nicht mit Worten beschreiben, aber Läufer werden verstehen, was ich meine.

Die ersten 20 Kilometer vergingen wie im Flug und ich lag super in der Zeit. Von Brooklyn führte die Strecke dann ein kurzes Stück durch Queens und über die Queensboro Bridge zunächst nach Manhatten. Auf der Brücke gab es keine Zuschauer und es war unheimlich ruhig. Meine hörte nur das Geräusch von Schuhen auf Asphalt, keiner sagte etwas, alle liefen nur stumm im gleichen Tempo vor sich hin. Das wirkte auf mich jedoch keineswegs erdrückend, sondern steigerte meine Erwartung auf Manhatten noch mehr – und ich sollte nicht enttäuscht werden. In Manhatten angekommen war sofort wieder ein gewaltiges Getöse. Nach ein paar Kurven führte die Strecke auf die endlos lange First Avenue immer geradeaus bis in die Bronx. Unendlich viele Zuschauer säumten weiterhin den Straßenrand. In der Bronx angekommen spielte ein DJ standesgemäß in Diskolautstärke, das es mir fast das Trommelfell rausriss, mit gefühlten 10.000-Watt-Boxen, den Kultsong “Hip Hop Hooray” von Naughty by Nature. Ich kam mir vor wie in einer Filmkulisse. “Laufe ich hier gerade einen Marathon? Oh, ich bin schon bei Kilometer 30. Muss mal ein bisschen langsamer laufen, sonst bin ich zu schnell durch.” – Was für abartige Gedanken, aber es war tatsächlich so. Ich fühlte mein Beine jetzt natürlich schon und auch mein Tempo ging leicht runter.

Mittlerweile zum zweiten Mal in Manhatten angekommen, meldeten sich ab Kilometer 35 meine Beine dann schon etwas deutlicher und mit Nachdruck, so dass ich beschloss, das Tempo jetzt doch etwas deutlicher zu reduzieren. Ich war ja nicht hier um einen neuen Rekord aufzustellen. Die letzten Kilometer ging es dann wieder unendlich lang geradeaus in sanfter Steigung auf der 5th Avenue in Richtung Central Park. Das Gefühl in einer Filmkulisse zu laufen, wurde ich nicht mehr los. Überall großartige Ausblicke, großartige Läufer und großartige Zuschauer.

Trotzdem wurden die letzten Kilometer nochmal richtig hart für mich und ich musste sogar ein paar Mal gehen. Damit hatte ich jedoch kein Problem. Das schwierige Wetter und überhaupt die ganze harte Saison forderten nun einfach ihren Tribut, den ich auch ehrlich bezahlte. Kurz vor dem Metropolitan Museum of Art bei Kilometer 40 bog ich dann in den Central Park zum Zieleinlauf ein. Den Zieleinlauf selbst fand ich dann relativ unspektakulär. Man hatte aus Bosten und Berlin gelernt und so waren die Zuschauer hier etwas rar.

Im ZielDer Weg war das Ziel und so war es für mich fast nebensächlich als ich nach 3:36 Stunden als 5789. von 50000 Läufer über die Ziellinie lief. Alle Finisher bekamen eine wirklich wunderschöne Medaille und erhielten einen großen Beutel mit Finisher-Verpflegung. Anschließend wurden wir weitergeleitet zu den Gepäckwagen bzw. Läufer welche die Option “ohne Gepäck” gewählt hatten, bekamen einen schicken Mantel und konnten den Zielbereich direkt verlassen. Ich hatte mein Gepäck vorher abgegeben, zog mich ohne zu Duschen um, denn Duschen gab es nicht, und begab mich ganz entspannt zum Eingang des Natural History Museums, den ich als Treffpunkt mit meiner Familie ausgemacht hatte, was auch prima funktionierte.

Man hört oft “Einmal im Leben den New York Marathon laufen … “ – ich hab’s gemacht! Es war großartig und einzigartig. Insgesamt habe ich ja jetzt schon einige Sportveranstaltungen hinter mir und dies war bereits mein 10. Marathon, aber davon werde ich noch meinen Enkelkindern erzählen und mich sicherlich immer positiv daran erinnern. Obwohl das alles nicht ganz billig war, lohnt es sich und ist bis jetzt mit nichts zu vergleichen, was ich vorher gemacht habe. Für dieses Jahr ist jetzt erstmal Schluss – wirklich. Ok, vielleicht mache ich noch bei der ein oder anderen Spaßveranstaltung mit. Im Dezember fange ich mit dem Training für den Ironman Nizza 2015 an – das wird sicherlich auch super!