Hamburg Marathon 2015

Veröffentlicht: 29. April 2015 in Berichte, Laufen

DSC_0099Bereits zum 4. Mal in Folge habe ich am 26.April 2015 den Hamburg Marathon bestritten. Dieses Mal nur mit mäßigem Erfolg von 3:25 h. Mein Anspruch war es, diesen Marathon unter 3 Stunden oder wenigstens in 3:0x h zu finishen. Zwar körperlich fit, trotz überstandener Erkältung, war die Hauptursache für mein “Scheitern” jedoch ein mentales Tief bereits im ersten Drittel des Marathons.

Vorbereitung

Wie bereits in den Jahren zuvor, was ich definitiv ändern werde, trainierte ich nach einem Trainingsplan von Hubert Beck auf die 3-Stunden-Marke. Die Vorraussetzungen stimmten, da ich bereits im vergangenen Jahr die gleiche Strecke in 3:11 h gelaufen war. Das Training beinhaltete z.B. 15x1000m-Intervalle mit 3:55-er-Pace, mehrere lange 35-km-Läufe mit Temposteigerung in der zweiten Hälfte, usw. Der maximale Laufumfang sollte 100 km/Woche sein. Außerdem waren im Vorfeld mehrere Test-Wettkämpfe geplant, u.a. 10 km in 38 Minuten und ein Halbmarathon in 1:26 h. Soweit die Theorie …

In der Praxis gestaltet sich das Training jedoch schwierig, denn als Triathlet will man neben dem Laufen auch noch Radfahren und Schwimmen. Da kommen schnell mal 12-16 Trainingsstunden pro Woche zusammen. Von Familie und Beruf ganz zu schweigen. Teilweise kann man Laufeinheiten natürlich durch die anderen beiden Sportarten ersetzen, aber es bleibt ein Kompromiss, den man eingehen muss.

Renntag

Am Sonntag waren die Wetterverhältnisse fast optimal: 12°C, ein leichter Wind aus Südwest, überwiegend bedeckter Himmel mit gelegentlichem Nieselregen, der aber nicht störte. Für die fast 30.000 Läufer (darunter 19.500 Marathonis) hatte der Veranstalter großzügig Platz auf dem Hamburger Messegelände angemietet, wo man sich ganz entspannt auf den Lauf vorbereiten konnte. Jeder Läufer war einem Startblock von A bis N zugeordnet. Da ich bei meiner Anmeldung als Zielzeit 2:59 h angegeben hatte, stand ich im Startblock B direkt hinter den Profis, was sich im Nachhinein als großer Fehler erwies. Punkt 9:00 Uhr dann der Startglockenschlag (wegen des Waffenverbots war keine Startschuss erlaubt).

Auf den ersten Kilometern lief ich bereits zu schnell mit einem 4:20-er Pace an, weil ich ja nur von schnellen Läufern aus dem Block B umgeben war. Ich versuchte meine Geschwindigkeit zu drosseln, da ich Probleme im letzten Drittel des Marathons befürchtete. Es fiel mir jedoch äußerst schwer, langsamer zu laufen. Ich wurde nur überholt und das zerrte bereits schwer an meiner Motivation. Es wurde nicht besser. Obwohl ich mich körperlich fit fühlte, beschäftigte sich mein Kopf nur mit negativen Gedanken: dies kann schiefgehen, das kann schiefgehen, der Regen, das Knie, die Wade, die Erkältung, …. Trotzdem hielt ich mich bis km 15 noch an meinen Plan und dann ging es abwärts ….

Meine Motivation hatte einen absoluten Tiefpunkt erreicht und ich dachte bereits an einen Ausstieg aus dem Rennen. Dieser Gedanke zog mich noch weiter nach unten. Um etwas Druck rauszunehmen, lief ich deshalb jetzt deutlich langsamer (4:40 min/km) als mein Plan (4:25 min/km) es vorsah. Bis zur Halbmarathonmarke, die ich nach 1:35 h erreichte, konnte ich mich so noch durchretten, dann wurde es richtig schlimm. Meine Motivation sank weiter und jetzt spürte ich natürlich auch meinen Körper. Ich reduzierte die Geschwindigkeit weiter auf 4:50 min/km und liefe so mehr oder weniger bis km 35 durch. Ab km 35 ging ich dann auch einige Male und mein Pace stieg über 5 min/km. Das war jedoch nicht körperlich bedingt, sondern einen reine Kopfsache. Letztendlich erreichte ich das Ziel nach 3:25 h, womit ich noch ganz zufrieden sein kann.

Was habe ich gelernt?

Bei ambitionierten Zielen ist die Startposition sehr wichtig. Man darf nicht zu weit vorne starten, sonst wird man nur überholt, was einen ziemlich fertig machen kann. Außerdem ist es speziell beim Marathon wichtig, auf den ersten Kilometern Körner zu sparen, die man ab km 30 brauchen wird. Allerdings sollte man auch nicht zu weit hinten starten bzw. zu langsam starten. Dann wird es schwierig auf die geplante Geschwindigkeit zu kommen und man muss viele langsamere Läufer umständlich überholen, was wichtige Energie kostet.

Positiv Denken. Negatives Denken muss man unbedingt vermeiden. Sollte mir das wieder passieren, werde ich mir vielleicht mehr Motivation vom Publikum “abholen”. Vielleicht mal einen kleine Showeinlage um etwas bejubelt zu werden. Die Zuschauer werden es lieben.

In der Vorbereitung zum Marathon ist für mich mehr Abwechslung im Training nötig. Vielleicht mal wieder Barfuß laufen, neue Strecken ausprobieren, schneller, langsamer, länger, kürzer, hügliger, mit Freunden …. Das macht Spaß und lässt negatives Denken gar nicht erst aufkommen.

Regeneration ist wichtig für Körper und Geist. Außerdem muss ich noch lernen, mit längeren Trainingsausfällen (10 Tage wegen einer Erkältung) klarzukommen.

Und nun?

Als nächstes steht für mich der IRONMAN France in Nizza am 28.Juni 2015 auf dem Plan, deshalb werde ich ab jetzt Laufen nur noch als Ausgleich zum Radfahren und Schwimmen machen. Vor Nizza werde ich keine reinen Laufwettkämpfe mehr bestreiten. Anfang August folgt dann ein ”kleiner” Staffelauftritt beim Ostseeman, wo ich den Laufteil (Marathon) übernehme. Eine Woche später schwimme ich beim Fördecrossing in der Ostsee von Dänemark nach Deutschland. Im September steht dann der Berlin-Marathon an. Mein Ziel ist mir noch unklar. Evtl. versuche ich dort aber nochmal die 3:10 h zu knacken.

Erste Erfolge beim Straßenlaufcup der LG HNF

Veröffentlicht: 18. März 2015 in Berichte, Laufen

408Zum Einstieg in die Wettkampfsaison 2015 und zur Vorbereitung auf den Hamburg Marathon hatte ich mir den Straßenlaufcup der LG HNF im Süden Hamburgs auserkoren. Die Laufserie bestand aus insgesamt 3 Läufen, welche im Abstand von jeweils 2 Wochen ausgetragen wurden mit 10, 15 und 21 Kilometern Laufstrecke. Die Summe der Zeiten dieser 3 Läufe solle ein guter Indiz für die mögliche Zeit im Marathon sein, so hieß es in der Ausschreibung.

Die Laufserie wurde nicht großartig beworben, so dass ich insgeheim auf wenig Teilnehmer und somit eine gute Platzierung hoffte, evtl. sogar mal einen Pokal mit nach Hause nehmen könnte. Schon beim ersten Lauf platzten meine Hoffnungen jedoch wie eine Seifenblase. Es waren zwar tatsächlich nur 189 Läufer/-innen am Start, aber mit geübtem Auge konnte ich bereits in der Aufstellung ein hochklassiges Teilnehmerfeld ausmachen.

Die Laufstrecke verlief relativ unspektakulär auf einer alten Teerstraße mitten durch die  Harburger Berge und hatte einen Wendepunkt bei Kilometer 5 bzw. bei Kilometer 7,5 im zweiten Lauf. Für den dritten Lauf musste die 10-Kilometer-Strecke zweimal durchlaufen werden. Das Profil der Strecke war sehr anspruchsvoll, denn es ging die ersten 5 Kilometer leicht bergab und dann zurück natürlich leicht bergauf, teilweise auf Kopfsteinplaster und durch matschige Abschnitte. Insbesondere der letzte Kilometer erwies sich als ganz besonders fies, da hier die Steigung am größten war.

Beim ersten Lauf über 10 Kilometer lief es für mich nicht schlecht. Ich ging mit nur geringen Erwartungen an den Start und wollte meine Form überprüfen. Gleich nach dem Startschuss lief eine Gruppe von ca. 30 Läufern vorweg und ich hatte Mühe und Not dranzubleiben, obwohl ich mit einer Geschwindigkeit von knapp über 4 Minuten pro Kilometer nicht gerade langsam lief. Bei diesem Lauf schafften bereits 28 Läufer (von 189) eine Zeit unter 40 Minuten und die restlichen Läufer waren auch nicht viel langsamer. Ich erreichte lediglich als 38. von 126 Männern völlig k.o. nach 41:26 Minuten das Ziel, war jedoch trotzdem sehr zufrieden mit meinem ersten Lauf in diesem Jahr.

Der zweite und dritte Lauf verlief ähnlich, ich konnte mich jedoch leicht steigern. Auf der 15-Km-Strecke erreichte ich Platz 17 von jetzt nur noch 70 Männern und Platz 4 in meiner Altersklasse M40 mit 1:03:04 h. In der Gesamtwertung rangierte ich in der M40 jetzt auf Platz 5. Beim Halbmarathon erreichte ich dann Platz 15 von 72 Männern und den 3. in der M40 mit neuer persönlicher Bestzeit in 1:29:25 h. In der Gesamtwertung erreichte ich mit 3:13:55 h ebenfalls Platz 3 in der M40 mit nur 2:30 Minuten Rückstand auf den Erstplatzieren in der M40, Steffen Wetzel, und schrammte somit knapp am Pokal vorbei. Schade – allerdings sei es Steffen gegönnt, der ebenfalls hart gekämpft hat.

Als nächstes steht der Freiburg-Halbmarathon auf meinem Plan, bei dem ich nochmal meine Zeit verbessern will. Mal schauen ob auch 1:28 h “geht” …

Artikel aus dem Hamburger Abendblatt vom 18.03.2015:

Artikel

2014: 2015 wird alles besser

Veröffentlicht: 2. Januar 2015 in Allgemein

pokal_papaEs lässt sich natürlich nicht vermeiden, das Jahr 2014 auch mal insgesamt rückwirkend zu betrachten. Das Jahr fing erfolgversprechend mit einer neuen persönlichen Marathon-Bestzeit von 3:11 Stunden an, den Rest des Jahres trat ich jedoch auf der Stelle. Mir fehlte der Biss. Dafür hatte ich allerdings einige sehr schöne Events auf meiner TODO-Liste, die ich alle erfolgreich durchbrachte, z.B. die Challenge Roth, eine Hitzeschlacht auf hohem Niveau, und dann natürlich der New York-Marathon, den ich nie vergessen werde. Daneben habe ich aber auch an vielen kleineren Veranstaltungen teilgenommen und viel herumprobiert, z.B. der Gegen-den-Wind-Triathlon in St.Peter-Ording, oder der erste IRONMAN 70.3 auf Rügen bei sensationell schlechtem Wetter und dann war da auch der Brocken-Marathon, ebenfalls ein ganz besonderes Erlebnis.

2015 wird alles anders – nö, nicht wirklich. Wieder steht eine Triathlon-Langdistanz (IRONMAN Nizza) an und wieder will ich den Marathon endlich unter 3 Stunden laufen. Dazu bieten sich zwei Gelegenheiten: beim Hamburg-Marathon im Frühjahr und beim Berlin-Marathon im Herbst. Dazwischen stehen einige Spaß-Events an: 24-Stunden-Schwimmen in Lüneburg, bei dem ich mal versuchen will einen Halbmarathon zu schwimmen, Fördecrossing (Schwimmen von Dänemark nach Deutschland), im Herbst evtl. mal einen kleinen Ultra-Lauf und und und  …

Und hier noch ein paar Zahlen:

  • Ich habe 6 kg zugenommen (Leider nicht nur Muskelmasse)
  • Ich bin 2.500 km gelaufen (gleich wie 2013)
  • Ich bin 325 km geschwommen (50 km mehr als 2013)
  • Ich bin 5.300 km Rad gefahren (500 km weniger als 2013)
  • Ich habe bis jetzt insgesamt 10 Marathons und 2 IRONMAN absolviert

New York Marathon 2014

Veröffentlicht: 14. November 2014 in Berichte, Laufen

BrooklynEinmal im Leben den New York Marathon laufen, davon träumen sicherlich viele Läufer. Für mich ist dieser Traum am 2. November 2014 in Erfüllung gegangen. Noch vor 3 Jahren hätte ich es für vollkommen verrückt gehalten, nach New York zu fliegen um dann dort einen Marathon zu laufen.

Ich hatte bereits durch die Medien vom New York Marathon gehört und sah zufällig 2013 eine Live-Übertragung im TV. Sofort stand für mich fest: Du gehörst genau da hin, das musst Du irgendwann mal machen. Durch eine Werbemail, die mich zufällig erreichte, wurde ich auf die Möglichkeit der Startplatzauslosung aufmerksam. Ansonsten bestand noch die direkte Anmeldemöglichkeit für Nicht-US-Bürger mit einer Marathonbestzeit unter 2:40 Stunden – davon war ich noch eine halbe Stunde entfernt, war also leider nicht möglich. Außerdem war natürlich auch eine Buchung inkl. Startplatzgarantie über einen Reiseanbieter möglich. Die Kosten ab 2000 Euro erschienen mir allerdings zu teuer und mir fehlte die Individualität. Kurzentschlossen kaufte ich mir ein Los. Irgendwo las ich was von einer 6%-igen Chance auf einen Startplatz über die Lotterie und rechnete nicht damit, dass ich ihn tatsächlich bekommen würde. Als ich im März 2014 dann die Bestätigungsmail bekam, konnte ich es kaum glauben und hielt die Mail zunächst für einen Fake. Ich war einfach nur überglücklich und buchte zusammen mit meiner Familie die Flüge und eine Ferienwohnung im New Yorker Stadtteil Queens.

Vor dem New York Marathon standen 2014 trotzdem zunächst viele andere Highlights auf meine Plan: Mein Hauptziel war die Challenge Roth, dem sich alle anderen Events unterordnen mussten. Mein Ziel für New York war einfach nur mitzulaufen und den Marathon zu genießen. Eine neue persönliche Bestzeit hielt ich am Ende der Saison nicht mehr für möglich und so trainierte ich auch nicht mehr speziell auf eine bestimmt Zeit, wollte aber gerne unter 4 Stunden bleiben. Dass ich einen Marathon auf jeden Fall durchbringe, und sei es gehend, war mir spätestens nach der Hitzeschlacht in Roth klar und so konnte ich mental ganz entspannt diesem Event entgegen sehen.Ausgabe der Startnummern

Eine Woche vor dem Marathon flog ich dann mit meiner Familie nach New York und genoß die Woche in vollen Zügen. Bereits das Abholen der Startunterlagen auf dem riesigen Messegelände im Javits Center war ein XXL-Spektakel der ganz besonderen Art. Wie es sich für eine Veranstaltung dieser Größenordnung gehört, war natürlich auch die sich anschließende Sportshoppingmeile entsprechend groß dimensioniert und ich schlug hier mal so richtig zu.

Am nachfolgenden Sonntag war dann endlich der Race Day gekommen. Ich hatte bereits Monate vorher die Anreiseoption “Staten Island Ferry” gewählt und begab mich am Sonntag Morgen um 5 Uhr auf den Weg zur südlichen Spitze Manhattens. Bereits die Überfahrt nach Staten Island war etwas besonderes. Hier konnte ich das erste Mal die Dimension dieses Rennens erahnen. Anschliessend ging es noch gut 20 Minuten mit dem Bus zum Runners Village. Dort angekommen, musste man zunächst den “üblichen” Sicherheitscheck über sich ergehen lassen und dann sein “Village” zu finden. Ich war der ersten Startwelle in der Startgruppe D im grünen Village zugeordnet und begab mich dorthin. Es war mittlerweile 7 Uhr. Mein Start war jedoch erst um 9:40 Uhr, das hieß also fast 3 Stunden warten. Um das nochmal zu verdeutlichen: Ich hatte nur meine Laufklamotten und einen alten Trainingsanzug an. Die Temperaturen lagen bei 3°C und es wehte ein scharfer kalter Wind. Trotzdem war unter allen Läufern eine ganz tolle Stimmung. Es waren wirklich alle Nationen vertreten. Ein New Yorker, der den Marathon bereits öfter gelaufen war, bot mir einen “Warteplatz” auf einem alten Handtuch und einer Plastiktüte direkt neben dem wärmenden Auspuff eines Krankenwagens an. Ich nahm dankend an, unterhielt mich ein wenig mit ihm und verbrachte so den Hauptteil der Wartezeit. Gegen 8:30 Uhr war dann der allgemeine Aufbruch zum eigentlichen Start für die erste Startwelle, der ich ja auch zugeordnet war. Über uns kreisten jetzt ein paar Hellikopter und man spürte das Kribbeln in der Luft. Dieses Gefühl hier tatsächlich am Start des New York Marathons sein, hielt ich immer noch für einen total surrealen Traum und ich glaube vielen Läufern ging es ganz genau so. Man konnte das ganze Adrenalin förmlich riechen.

Um 9:30 Uhr unmittelbar vor dem Start entledigte ich mich, genau wie die meisten anderen Läufer, von einem Großteil meiner wärmenden Zusatzkleidung und war jetzt schutzlos dem Wetter ausgeliefert. Um Punkt 9:40 Uhr wurde dann durch einen Kanonenschuss der Start der ersten Welle signalisiert. Trotz der Vielzahl an Läufern kam kein Gedränge und Geschubse auf, wie hierzulande leider oft beobachtet. Als Einstiegshürde stand die  Verrazano-Narrows Bridge auf dem Plan. Ich liefe locker los, kam gut rein und war schon nach kurzer Zeit auf der Brücke oben angekommen. Was für ein großartiger Ausblick auf New York! Leider konnte man den Ausblick nicht wirklich genießen, denn auf der Brücke wehte der Wind mit teilweise mehr als 80km/h und riss mir fast die Beine weg. Alle Läufer waren sehr vorsichtig und wollten hier nichts riskieren. Insgesamt wurde sehr viel Rücksicht aufeinander genommen.

Kilometer 40Nach dem die Verrazano-Narrows Bridge überwunden war, auf der es keine Zuschauer gab, ging es dann in den Stadtteil Brooklyn. Was für ein Fest! Überall Zuschauer, als würde jeden Moment der Zieleinlauf kommen. Gefühlt alle 500 Meter spielten Bands aller Musikrichtungen live und die Zuschauer kreischten wie bei einem Fußball-WM-Finale, so dass ich viel schneller lief, als ich es eigentlich geplant hatte. Das sollte sich auch nicht mehr ändern. Ich genoss einfach nur alles in vollen Zügen und mir stand überglücklich öfter das Wasser in den Augen. Man kann das eigentlich gar nicht mit Worten beschreiben, aber Läufer werden verstehen, was ich meine.

Die ersten 20 Kilometer vergingen wie im Flug und ich lag super in der Zeit. Von Brooklyn führte die Strecke dann ein kurzes Stück durch Queens und über die Queensboro Bridge zunächst nach Manhatten. Auf der Brücke gab es keine Zuschauer und es war unheimlich ruhig. Meine hörte nur das Geräusch von Schuhen auf Asphalt, keiner sagte etwas, alle liefen nur stumm im gleichen Tempo vor sich hin. Das wirkte auf mich jedoch keineswegs erdrückend, sondern steigerte meine Erwartung auf Manhatten noch mehr – und ich sollte nicht enttäuscht werden. In Manhatten angekommen war sofort wieder ein gewaltiges Getöse. Nach ein paar Kurven führte die Strecke auf die endlos lange First Avenue immer geradeaus bis in die Bronx. Unendlich viele Zuschauer säumten weiterhin den Straßenrand. In der Bronx angekommen spielte ein DJ standesgemäß in Diskolautstärke, das es mir fast das Trommelfell rausriss, mit gefühlten 10.000-Watt-Boxen, den Kultsong “Hip Hop Hooray” von Naughty by Nature. Ich kam mir vor wie in einer Filmkulisse. “Laufe ich hier gerade einen Marathon? Oh, ich bin schon bei Kilometer 30. Muss mal ein bisschen langsamer laufen, sonst bin ich zu schnell durch.” – Was für abartige Gedanken, aber es war tatsächlich so. Ich fühlte mein Beine jetzt natürlich schon und auch mein Tempo ging leicht runter.

Mittlerweile zum zweiten Mal in Manhatten angekommen, meldeten sich ab Kilometer 35 meine Beine dann schon etwas deutlicher und mit Nachdruck, so dass ich beschloss, das Tempo jetzt doch etwas deutlicher zu reduzieren. Ich war ja nicht hier um einen neuen Rekord aufzustellen. Die letzten Kilometer ging es dann wieder unendlich lang geradeaus in sanfter Steigung auf der 5th Avenue in Richtung Central Park. Das Gefühl in einer Filmkulisse zu laufen, wurde ich nicht mehr los. Überall großartige Ausblicke, großartige Läufer und großartige Zuschauer.

Trotzdem wurden die letzten Kilometer nochmal richtig hart für mich und ich musste sogar ein paar Mal gehen. Damit hatte ich jedoch kein Problem. Das schwierige Wetter und überhaupt die ganze harte Saison forderten nun einfach ihren Tribut, den ich auch ehrlich bezahlte. Kurz vor dem Metropolitan Museum of Art bei Kilometer 40 bog ich dann in den Central Park zum Zieleinlauf ein. Den Zieleinlauf selbst fand ich dann relativ unspektakulär. Man hatte aus Bosten und Berlin gelernt und so waren die Zuschauer hier etwas rar.

Im ZielDer Weg war das Ziel und so war es für mich fast nebensächlich als ich nach 3:36 Stunden als 5789. von 50000 Läufer über die Ziellinie lief. Alle Finisher bekamen eine wirklich wunderschöne Medaille und erhielten einen großen Beutel mit Finisher-Verpflegung. Anschließend wurden wir weitergeleitet zu den Gepäckwagen bzw. Läufer welche die Option “ohne Gepäck” gewählt hatten, bekamen einen schicken Mantel und konnten den Zielbereich direkt verlassen. Ich hatte mein Gepäck vorher abgegeben, zog mich ohne zu Duschen um, denn Duschen gab es nicht, und begab mich ganz entspannt zum Eingang des Natural History Museums, den ich als Treffpunkt mit meiner Familie ausgemacht hatte, was auch prima funktionierte.

Man hört oft “Einmal im Leben den New York Marathon laufen … “ – ich hab’s gemacht! Es war großartig und einzigartig. Insgesamt habe ich ja jetzt schon einige Sportveranstaltungen hinter mir und dies war bereits mein 10. Marathon, aber davon werde ich noch meinen Enkelkindern erzählen und mich sicherlich immer positiv daran erinnern. Obwohl das alles nicht ganz billig war, lohnt es sich und ist bis jetzt mit nichts zu vergleichen, was ich vorher gemacht habe. Für dieses Jahr ist jetzt erstmal Schluss – wirklich. Ok, vielleicht mache ich noch bei der ein oder anderen Spaßveranstaltung mit. Im Dezember fange ich mit dem Training für den Ironman Nizza 2015 an – das wird sicherlich auch super!

Brocken-Marathon 2014

Veröffentlicht: 16. Oktober 2014 in Berichte, Laufen

Als echter Brocken erwies sich für mich der 37. Harz-Gebirgslauf am 11.Oktober 2014 über die Marathon-Distanz. Kurz entschlossen ohne groß darüber nachzudenken, hatte ich mich im August 2014 zu diesem Lauf angemeldet, um ihn als Vorbereitung für den Anfang November stattfindenden New-York-Marathon zu nutzen. Außerdem war ein Trail-Lauf dieser Länge für mich totales Neuland. Eine neue Bestzeit hatte ich von Anfang an nicht im Auge, sondern wollte den Lauf bewusst als Trainingslauf langsam angehen.

Übernachtung in der SporthalleAm Vorabend reiste ich mit dem Auto nach Wernigerode an. Der Veranstalter bot für 2 Euro die Möglichkeit in einer nahegelegenen Sporthalle zu übernachten. Die Sporthalle war gut gefüllt und die Stimmung hervorragend. Ich suchte mir eine ruhige Ecke. Neben mir schlief eine ältere seltsame Frau, die mich gleich anpflaumte, ich solle bloß nicht schnarchen, sonst würde sie mir einen Tritt verpassen. Wie ich später herausfand, handelte es um die 73-jährige Weltrekordlerin Sigrid Eichner, die bereits über 1800 Marathons bzw. Ultras absolviert hatte. Wie krass ist das denn? Ok – da braucht man wohl seinen Schlaf! Auf jeden Fall schlief ich erstaunlich gut und ging am nächsten Morgen entspannt zum Startbereich, welcher sich in der Nähe befand. Leider hatte es in der Nacht stark geregnet, so dass die Streckenverhältnisse nicht optimal waren, aber etwas anderes hatte ich auch gar nicht erwartet, schließlich handelte es sich um einen echten Gebirgslauf bei dem man mit allem zu rechnen hatte. Die Temperaturen lagen bei 14°C im Tal und bei 8°C auf dem Brocken – für mich der Idealbereich. Der leichte Nieselregen störte nicht im Geringsten.

Die ca. 800 Marathonies versammelten sich um 9:00 Uhr pünktlich zum Start auf einer matschigen Wiese. Da ich hier keine neue Bestzeit erreichen wollte und auch nicht wusste, was mich so unterwegs erwarten würde, orientierte ich mich in der Mitte des Starterfeldes und lief für meine Verhältnisse in gemütlichem Tempo los. Auf den ersten 10 Kilometern, die noch ohne nennenswerte Steigungen verliefen, fühlte ich mich super und genoss die großartige entspannte Stimmung und die tolle Landschaft. Am ersten Verpflegungspunkt probierte ich den legendären Haferschleim. Allerdings war diese matschige Pampe nichts für mich. Bei Kilometer 10 bis 15 ging es dann die erste Rampe rauf. Die Steigung hier war noch zu ertragen, ich musste aber bereits kurze Abschnitte gehen. Ab Kilometer 15 war dann bei 25%-iger Steigung an Laufen nicht mehr zu denken, bzw. war Laufen hier sinnlos. Also war kollektives schnelles Wandern angesagt, was ich als nicht minder anstrengend empfand.

Nach gut 2 Stunden, 19 Kilometern und ca. 1000 Höhenmetern hatte ich dann den Gipfel erreicht – mein erstes Mal überhaupt auf dem Brocken. Zu sehen war leider nicht viel, denn die hohe Luftfeuchtigkeit hatte bei ca. 8°C für dicken Nebel gesorgt. Trotzdem war ich froh,  endlich oben angekommen zu sein. Die nächsten 5 Kilometer bergab lies ich es dann erst einmal laufen. Alles fühlte sich noch sehr entspannt an. StartnummerAn den Verpflegungstellen gab es nun zusätzlich Schokopralinen – lecker, aber nicht ganz optimal. Bis Kilometer 32 war ich sehr optimistisch, dass ich noch locker eine Zeit unter 4 Stunden erreichen könnte. Nach dem ersten Gegenanstieg mussten meine Beine jedoch auch der Strecke ihren Tribut zollen und meine Geschwindigkeit ging deutlich runter. Insgesamt fühlte ich mich aber immer noch gut. Nach der zweiten harten Rampe bei Kilometer 36 kam ich dann allerdings mit Seitenstechen doch aus dem Tritt und musste meine Geschwindigkeit, obwohl es nur noch runter ging, deutlich verringern, teilweise sogar gehen.

Nach 4 Stunden und 3 Minuten hatte ich dann endlich die Ziellinie als 197. von 748 Finishern erreicht. Den Zielbereich empfand ich als ziemlich voll. Insgesamt waren an diesem Tag ca. 3.700 Läufer auf den unterschiedlichen Strecken unterwegs und so hieß im Ziel an den Verpflegungstellen “Schlange stehen”, ebenfalls bei den wenigen Duschmöglichkeiten. Insgesamt emfand ich den Lauf als sehr kurzweilig und als etwas besonderes. Ich werde wiederkommen.

Wetterdesaster auf Rügen

Veröffentlicht: 17. September 2014 in Berichte, Triathlon

Zum Abschluss meiner Triathlon-Saison 2014 hatte ich mich bereits früh im Jahr für den IRONMAN 70.3 auf Rügen entschieden, welcher am 14. September 2014 zum ersten Mal stattfand. Das besondere Highlight sollten die 1,9 km Freiwasserschwimmen in der Ostsee werden. Anschließend mussten noch 90 km Rad gefahren und ein Halbmarathon gelaufen werden. Wechselzone SchwimmenHier wollte ich nochmal alles geben und meine persönliche Bestzeit auf der Mitteldistanz verbessern. Einmal mehr in diesem Jahr spielte das Wetter leider nicht so mit, wie ich es mir gewünscht hatte. Trotzdem war der IRONMAN 70.3 Rügen in Binz ein großartiges Erlebnis für mich.

Bereits am Abend vor dem Start war klar, dass die Wetterverhältnisse schwierig werden würden und so kam was kommen musste: Das Schwimmen wurde wegen Wellengang von bis zu 2 Metern und starker Strömung abgesagt, wofür ich auch volles Verständnis hatte. Statt dessen sollten 5 km gelaufen werden.

Bereits vor dem Start waren alle Sportler komplett durchnässt. Das schien jedoch niemanden zu stören und auch die Zuschauer applaudierten bereits kräftig mit. Nach dem Start der Profis, unter ihnen Welt- und Europameister Faris Al-Sultan, Michael Realert und viele andere Top-Triathleten, stand ich um 10:40 Uhr an der Startlinie – im sinnflutartigem Regen. Ich lief die erste Runde über 5 km locker in 23 Minuten durch, wollte in der zweiten Laufrunde auf der längeren Distanz noch ein paar Körner übrig haben.   Das Laufen gestaltete sich leider bereits sehr schwierig, denn die Laufstrecke war eng und verlief über holprige, nasse Pflastersteine mit riesigen Pfützen, sowie auch ein kleines Stück durch ein Waldgebiet, welches jetzt unter Wasser stand. Es fühlt sich alles eher nach Crosslauf an.

Nach dem Laufen ging es dann in die erste Wechselzone an den Strand in den nassen Sand, welche ja eigentlich für den Wechsel vom Schwimmen zum Radfahren gedacht war. Das erwies sich jetzt als sehr ungünstig, denn zu den ohnehin Auf der Radstreckeschon nassen Sachen gesellte sich jetzt noch ein Sand-Salz-Gemisch. Zum Glück hatte ich ein zweites Paar Laufschuhe dabei, welches ich mir bereits vorher für die zweite Laufrunde trocken verpackt hatte. Vom Strand lief ich dann in Radschuhen über eine abenteuerliche Brücke und wieder ein Stück Pflastersteine zu meinem Rad in der zweiten Wechselzone insgesamt einen halben Kilometer.

Nun ging es weiter im strömenden Regen auf die Radstrecke. Der Regen machte nicht so viel aus, wie ich anfangs befürchtet hatte. Im Gegenteil: trotz der welligen Strecke war ich mit einem für meine Verhältnisse gutem Schnitt von 32 km/h unterwegs. In den Kurven ging ich es etwas ruhiger an, wollte keinen Sturz riskieren. Nach 20 km kam der erste Verpflegungspunkt in Bergen. Wie ich finde an einer sehr ungünstigen Stelle mit in einer Steigung. Nachdem ich mich mit Trinken und einem Riegel versorgte hatte, kam ein kurzes Stück holpriges Pfalster, welches so üppig war, dass es mir fast den Lenker aus der Hand riss. Den anderen Athleten ging es anscheinend ähnlich. Obwohl es an dieser Stelle bergab ging, war es unmöglich schneller als 15 km/h zu fahren. Der restliche Teil der Runde verlief relativ unproblematisch und trotz des Regens machte es Spaß. In der zweiten Runde lies dann auch der Regen endlich nach, dafür kam allerdings böiger Wind auf und mein Kilometerschnitt ging runter. Im ZielAber auch diese Runde brachte ich gut hinter mich und ich freute mich jetzt auf die letzte Laufrunde.

Nach dem Radfahren ging es dann in die zweite Laufrunde. Insgesamt waren 4 Runden durch Binz zu laufen. Geplant hatte ich den Halbmarathon in 1:45 Stunden zu absolvieren, allerdings geschwächt durch die lange Saison und auch wegen der schwierigen Wetter- und Streckenverhälnisse, fehlte mir einfach die Kraft und der Wille hier nochmal wirklich alles zu geben. Trotzdem konnte ich hier nochmal ein paar Plätze gut machen und lief nach 5:27 Stunden, als 64. von 149 Männern in meiner Altersklasse M40-44 und als 456. von insgesamt 1300 Teilnehmern über die Ziellinie. Sieger wurde der Rostocker Michael Raelert mit 3:53 Stunden und Siegerin die Holländerin Yvonne van Vlerken mit 4:20 Stunden.

Insgesamt fand ich den IRONMAN 70.3 Rügen eine sehr professionell organisierte und gelungene Veranstaltung, nur die Streckenführung kann sicherlich noch etwas optimiert werden. Ein hartes aber schönes Rennen und trotz des schlechten Wetters war die Stimmung toll. Ich kann mir durchaus vorstellen, hier nochmal anzutreten.

Hitzeschlacht in Roth

Veröffentlicht: 25. Juli 2014 in Berichte, Triathlon
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DSC_8088Körperlich und mental an meinem Limit schaffte ich in einer Hitzeschlacht in Roth nach schier unendlich erscheinenden 13 Stunden die IRONMAN-Distanz zum zweiten Mal. Nach neunmonatiger Vorbereitungsphase mit bis zu 15 wöchentlichen Trainingsstunden schlug für mich die Stunde der Wahrheit am Sonntag, dem 20.Juli 2014 um 7:40 Uhr. Ich stand am Start der Challenge Roth, einem der ältesten und dem weltweit größten Triathlon in der Nähe von Nürnberg. Im Folgenden erfahrt Ihr, wie es mir dabei erging.

Die insgesamt 3500 Einzelstarter verteilten sich auf 14 Startgruppen. Dazu kamen 600 Staffelstarter. Unter den Teilnehmern das Who-Is-Who der internationalen Triathlon-Szene. 200.000 Zuschauer. Ich startete erst in der 12. Startgruppe eine Stunde nach den Top-Athleten und somit sehr spät und weit hinten. Das Schwimmen verlief bereits anstrengender als erwartet und erforderte schon vollste Konzentration. Durch die vielen Schwimmer im Wasser war ich gezwungen “Umwege” zu schwimmen, die sich auf 500 Meter summierten – gemessen mit meiner GPS-Uhr. Immerhin bewältigte ich die Schwimmstrecke in gut 1:15 Stunden und konnte somit meine Leistung steigern, stieg jedoch nicht gerade “entspannt” aus dem Wasser.

Der Wechsel vom Schwimmen zum Radfahren verlief dann problemlos in 4:30 Minuten. Nun folge das Radfahren, die Disziplin vor der ich den größten Respekt hatte. Die ersten Radkilometer verliefen problemlos. Ich fuhr bewusst Kräftesparend mit einem 30-er Schnitt und spürte den Spirit von Roth, musste sogar unterwegs vor Glück ein paar Mal weinen. Das war herrlich und ich genoss es in vollen Zügen. Die Temperatur waren noch im erträglichen Bereich. Nach ca. 70 km passierte ich dann in der ersten von zwei zu fahrenden Runden den legendären Solarer Berg und genoss das Bad in der jubelnden Menge.20x30-CRFZ8114

Dann kam die zweite Runde und alles wurde anders. Die Temperaturen in der Mittagshitze stiegen in der Spitze auf unerträgliche 33°C und forderten bald ihren Tribut. Trotz Unmengen von Wasser die ich trank und auch an jeder Verpflegungstelle über meinen aufgeheizten Körper goss, kühlte mein Körper nicht ab und meine Leistung brach rapide ein. Ich hatte das Gefühl, dass ich keine Luft mehr bekam und war kurz vor einem Kollaps. Ein paar Mal musste ich mit ansehen, wie Athleten direkt vor meinen Augen kollabierten. Andere hatten auf Grunde der unerträglichen Hitze aufgegeben und ruhten sich im Schatten am Straßenrand aus. Innerlich spielte ich ab Kilometer 120 mit dem Gedanken abzubrechen, wollte das Radfahren jedoch irgendwie zu Ende bringen. Tatsächlich erreichte ich dann auch nach unendlich lang erscheinenden 6:30 Stunden die zweite Wechselzone.

Dort angekommen, beschloss ich dann spontan, es doch wenigstens mit dem Laufen zu versuchen. 20x30-CRFX0356Schließlich war das Laufen meine starke Disziplin. Ich lief los und spürte bereits nach wenigen Metern, dass ich meine geplante Zeit von 3:30 Stunden bei weitem nicht erreichen würde und ging erst einmal eine Weile. Dann versuchte ich wieder zu laufen, um bei Kilometer 2 wieder gehen zu müssen. Inzwischen total erschöpft zwang ich mich trotzdem weiter, wollte einfach nicht aufgeben. Den Marathon zu schaffen, erschien mir jetzt so unmöglich, wie den Mount Everest zu besteigen. Ich war an meinem Limit, aber genau das machte mich in diesem Moment stark genug, um meinen inneren Schweinehund noch einmal zu überwinden. Es “lief” dann irgendwie doch und abwechselnd gehend und laufend beendete ich den Marathon in meiner bis dato längsten Marathon-Zeit von 5:10 Stunden und erreicht total erschöpft aber unglaublich glücklich die Ziellinie nach ziemlich genau 13 Stunden. Als kleines Trostpflaster bekam ich meine Finisher-Medaille von dem australischen IRONMAN-Weltmeister (2012) Pete Jacobs überreicht, der das Rennen ähnlich wie ich erlebte – Respekt für diese tolle sportliche Geste übrigens!

Insgesamt landete ich mit meinen 13 Stunden tatsächlich noch auf Platz 1804 und somit im soliden Mittelfeld der 3500 Einzelstarter. Sieger an diesem Tag wurde der 39-jährige Deutsche Timo Bracht mit 7:56 Stunden und bei den Frauen die Australierin Mirinda Carfrae mit 8:38 Stunden.

Nächstes Jahr wieder? Nö, eher nicht. Es gibt viele andere Langdistanzen, die mich auch reizen. Gerne würde ich z.B. mal einen IRONMAN außerhalb Europas machen. Vielleicht in Canada oder Kalifornien. Mal schauen. Jetzt gönne ich mir erst einmal ein paar Tage Ruhe und dann geht’s weiter ….

Gegen den …

Veröffentlicht: 23. Juni 2014 in Berichte, Triathlon

… Wind, den inneren Schweinehund, schlechte Laune … ich könnte diesem Beitrag tausende Namen geben, die mir in der Nacht vor dem „Gegen den Wind Triathlon“ am vergangenen Freitag, dem 20. Juni 2014, auf einem Campingplatz in St.Peter Ording durch den Kopf gingen. Da lag ich nun in meinem Zelt, über das eine Sturmböe nach der anderen herüber zog und der Regen peitschte. Bin ich zu weich für diesen Triathlon? Heisst ja schliesslich „Gegen den Wind“, also wird es wohl auch so sein müssen.

Bei mIMG_7056einer Anmeldung vor 2 Wochen war bestes Wetter vorausgesagt. Nachdem ich die 43 Euro Anmeldegebühr an den Veranstalter überwiesen hatte, wurden die Prognosen quasi stündlich schlechter und endeten schliesslich in Sturmwarnung mit Schauern und Kälteeinbruch – im Juni – na super! Noch 2 Stunden vor der Veranstaltung hatte ich ziemliche Zweifel, schliesslich waren 1,5 km in der Nordsee zu schwimmen, anschliessend 40 KM Rad zu fahren (davon die Hälfte gegen 70 km/h Windböen) und noch 10 KM zu Laufen. Hörte sich nicht schlimm an, zumal ich ja für die Langdistanz, also die vierfache Distanz um genau zu sein, in Roth trainierte. Da mir bei meiner Anmeldung zum Triathlon die Distanz als „Trainingseinheit“ etwas kurz erschien, hatte ich mich großkotzig für den Folgetag auch noch zu dem gleichnamigen Halbmarathon angemeldet, den ich aber nach einem kleinen Gemetzel mit meiner Frau ein paar Stunden vorher bereits an den Nagel gehängt hatte. Insgesamt also „ideale“ Startbedingungen.

Zur Stunde der Wahrheit, dachte ich mir dann: Jetzt gehst mal hin und schaust mal wie das da überhaupt aussieht. Kurz vor dem Start erfuhr ich dann, dass der Triathlon aufgrund der schlechten Wetterlage doch nur als Duathlon (5/40/10) ausgeführt wird. Eigentlich Schade im Nachhinein, denn gerade das Schwimmen in der Nordsee hatte mich bei der Anmeldung gereizt. Allerdings kann ich auch gut nachvollziehen, dass der DLRG bei Windstärke 7 nicht unbedingt bereit war Risiken einzugehen.

Nach einem unspektakulären Start um 11:00 Uhr verlief dann auch der Wettkampf für mich wie gewohnt unspektakulär. Die Strecke hatte es allerdings in sich: Zunächst war ein Runde (5 km) durch Dünen zu laufen. Es ging auf und ab und der Untergrund bestand natürlich zum Teil aus lockerem Sand. Anschliessend waren 40 km mit dem Rad zu meistern. Die Schwierigkeit bestand darin, die Windverhältnisse optimal zu nutzen. Zum Schluss waren dann noch 10 km zu laufen, die ich für meine Verhältnisse relativ entspannt hinter mich brachte. Letzendlich erreichte ich einen ordentlichen 40. Platz bei den Männern im vorderen Mittelfeld nach 2:24 h, womit ich ganz zufrieden bin.

Unterm Strich fand ich die Veranstaltung ganz nett und werde mich im nächsten Jahr mit der Hoffnung auf das Schwimmen wohl wieder zur Teilnahme anmelden. Allerdings werde ich dann ein paar Dinge anders machen: Nicht (vorher) Zelten, auf schlechtes Wetter einstellen und gegen den Wind trainieren.

7. O-See Triathlon Uelzen 2014

Veröffentlicht: 3. Juni 2014 in Berichte, Triathlon

Am vergangenen Sonntag stand der erste Form- und Equipmentcheck der diesjährigen Triathlon-Saison für mich an. Dazu hatte ich mir schon vor einigen Monaten den O-See Triathlon in Uelzen am 1.Juni 2014 auserkoren. Damit sich die weite Anreise 😉 für mich lohnt, hatte ich mir die Mitteldistanz auf die Fahne geschrieben. Das hieß also: 1,9km Schwimmen im Oldenstätter See, 90 km Rad fahren und anschließend einen Halbmarathon laufen. Als Zielzeit stellte ich mir 5:15 h vor. Falls es gut lief, wollte ich auch die 5-Stunden-Marke probieren.

SchwimmstartDas Teilnehmerfeld auf der Mitteldistanz bestand insgesamt aus nur 108 Männern und 17 Frauen – war also überschaubar. Mit am Start allerdings Schwergewichte wie der Langdistanz-Vize-Europameister von 2004, Nils Goerke, Vize-Weltmeister (U25, Sprint) Frank Reimann, sowie ein paar holländische Topathleten, um nur einige zu nennen. Insgesamt schien das Niveau sehr hoch zu sein.

Pünktlich 8:30 Uhr fiel der Startschuss bei 17°C Wassertemperatur und 9°C Lufttemperatur, leicht bedecktem Himmel und geringem Wind. Laut Veranstalter ideale Bedingungen für schnelle Zeiten.

Ich kam gut rein. Nachdem sich mein Körper nach einigen hundert Metern an die noch ungewohnte Wassertemperatur gewöhnt hatte, fand ich meinen Schwimmrythmus. Auch mein neuer Neoprenanzug fühlte sich gut an. Nach 35 Minuten stieg ich im Mittelfeld aus dem Wasser und lief in die Wechselzone. Leider verdaddelte ich hier viel Zeit, da ich beim Ausziehen des Neos am Zeitchip, welcher am Fußgelenk befestigt war, hängen blieb. Außerdem beschloss ich mich doch etwas wärmer für die anstehenden 90 km Rad anzuziehen, was auch nochmal Zeit kostete. Insgesamt verbrachte ich ca. 6 Minuten in der Wechselzone – eine Ewigkeit.

Auf der RadstreckeDann ging es auf die Radstrecke, die sich auch für meine Verhältnisse sehr gut anfühlte: leicht hüglig, breiter und glatter Asphalt, kaum Gegenwind und einfach eine schöne Landschaft. Ideale Bedingungen um so richtig auf die Tube drücken zu können, was die anderen dann auch taten. Ich ging es jedoch ganz ruhig an, wollte endlich vernünftig mit meinem neuen Triathlonrad klarkommen und nicht zu früh mein Pulver verschießen, denn schließlich war im Anschluss auch noch ein Halbmarathon zu bewältigen. Obwohl ich mich durchweg gut fühlte, zog ich das Tempo jedoch bis zum Schluss nicht an und blieb in meinem “Wohlfühlbereich”, was wohl auch daran lag, dass sich das Teilnehmerfeld auf der Strecke so gut verteilte, dass ich größtenteils das Gefühl hatte, ganz alleine unterwegs zu sein.

Nach dem Radfahren ging es dann nach einem schnellen Wechsel auf die Laufstrecke – meine Paradedisziplin. Ich konnte relativ konstant einen PACE von 4:40 min/km über die 21 km teilweise sehr holprige Strecke halten und lief letztendlich nach 5:17 h mit dem Gefühl, dass ich noch Reserven habe, als 80. von 108 Männern, über die Ziellinie und war glücklich und zufrieden mit meiner Leistung.

Mein Fazit zum O-See Triathlon: Super Organisation. Schöne Strecke. Ideal für den Formcheck. Gerne wieder.

Hamburg, meine Perle

Veröffentlicht: 5. Mai 2014 in Berichte, Laufen

Drei Wochen nach dem Rotterdam-Disaster schlug ich mich beim 29. Haspa Hamburg Marathon am 4. Mai 2014 etwas besser und flog nach 3:11 Stunden mit neuer persönlicher Bestzeit als 1043. von 13.300 Marathonläufern (199./2724 in meiner Altersklasse) über die Ziellinie.

Die Bedingungen waren für mich fast optimal. Wetter: 11°C, mäßiger Wind, bedeckt. Geniales Publikum, gute Verpflegung an der Strecke, sowie die Streckenführung selbst und natürlich Hamburg, Hamburg-Marathon1691meine Perle, begünstigten mein erfolgreiches Erlebnis. Außerdem hatte ich aus meinem Fehler in Rotterdam gelernt. Bei meiner Anmeldung gab ich als Zielzeit dieses Mal 2:59 Stunden an und startet deshalb zusammen mit den etwas schnelleren Läufern im Startblock C ziemlich weit vorne.

Es lief von Anfang an gut für mich. Ich musste kaum überholen und wurde auch kaum überholt, so dass ich schon nach den ersten Kilometern “im Tritt” war. Sofort achtet ich darauf möglichst Energiensparend zu laufen. Ich vermied schnelle Antritte und lief bei Gegenwind immer im Windschatten “meiner” Pace-Maker. Ich hatte mir die Strecke wieder in 10km-Abschnitte eingeteilt, wollte den ersten Teil etwas langsamer angehen und dann im zweiten und dritten Abschnitt das Tempo erhöhen. Im vierten Abschnitt, also KM30-40 rechnete ich fest mit einem Einbruch und wollte einfach gucken, was dann noch ging. Die letzten 2 Kilometer spielen keine Rolle (für mich).

Der Einbruch kam dieses Mal gar nicht, ich konnte sogar bei KM35 nochmal das Tempo anziehen. Im Nachhinein betrachtet hätte ich bei KM30 mein Tempo leicht anziehen können und wäre dann sogar unter die 3:10 h gekommen – nächstes Mal.