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IRONMAN Nizza 2015

Veröffentlicht: 3. Juli 2015 in Berichte, Triathlon
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WechselzoneUm es gleich vorweg zu sagen: Ich bin mit meinen knapp 13 ½ Stunden zufrieden, die ich gebraucht habe, um den IRONMAN Nizza 2015 zu finischen. Letztendlich war ich froh, dass Ziel überhaupt erreicht zu haben, denn der IRONMAN Nizza gilt als einer der härteren Langdistanztriathlons: 3,8 km Schwimmen im Mittelmeer, 180 km (2000 hm) Rad durch die französischen Alpen mit mehreren harten Anstiegen und technisch schwierigen Abfahrten, 42,2 km Laufen – 2800 Starter. Insbesondere das Laufen auf Asphalt bei 30 Grad Lufttemperatur ohne Schatten sollte man besser vorher schonmal trainiert haben.

Einige Tage vorher reiste ich zusammen mit meiner Frau an. Wir hatten eine kleine Ferienwohnung im Herzen von Nizza gebucht, von der aus wir alles bequem zu Fuß erreichen konnten. Mit im Gepäck: Super Wetter, jedenfalls zum Urlaub machen … Insgesamt hat Nizza wirklich gehalten, was ich mir erhofft hatte: Eine schicke Stadt am Mittelmeer mit tollen Leuten und ganz entspannter Urlaubsatmosphäre.Schwimmstrecke

Der Check-In am Samstag verlief reibungslos. War schon beeindruckend wie viele Räder hier standen. Das ließ auch gleich erahnen wie viele Triathleten am nächsten Morgen zeitgleich am Schwimmstart stehen würden. Am Sonntag, dem 28. Juni 2015, 6:30 Uhr, war es dann endlich so weit. Ich stand am steinigen Strand von Nizza zum Start des IRONMAN und ab ging die Luzie. Der Start war genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Wie bei einem großen Fischschwarm schien das Wasser irgendwie zu kochen. Die Arme flogen und ich hatte das Gefühl hier nicht wieder lebendig raus zu kommen. Ich war mitten drin, dort wo es am schlimmsten ist. C’est la vie, dass habe ich ja auch so gewollt und genau das macht auch den besonderen Reiz des Triathlons aus. Jedenfalls lief das Schwimmen gar nicht so schlecht für mich. Nach 2,4 km Kampf war ein kurzer Landgang vorgesehen. Hier kam es zu einem kleinen Stau. Dann folgte die zweite Schwimmrunde mit 1,4 km. Letztendlich bin ich aber tatsächlich 4,2 km geschwommen, da ich teilweise im Wasser etwas die Orientierung verloren hatte und dadurch ein paar Umwege geschwommen war. Trotzdem stieg ich bereits nach 1:15 h aus dem Wasser – neue persönliche Bestzeit! So kann’s weitergehen.

Nach einer kurzen Dusche ging es dann in die erste Wechselzone. Diesesmal kam ich scLandganghnell aus meinem Neo raus, allerdings war die Wechselzone relativ lang und es kam hier und da zu kleinen Staus, so dass ich insgesamt 9 Minuten brauchte bis ich tatsächlich auf meinem Rad saß.

Vor der Radstrecke hatte ich gewaltigen Respekt. 180 km – kann man schaffen. 2000 Höhenmeter – da wird’s bei mir schon schwieriger, zumal ich ja im Flachland wohne. Höchste Erhebung hier ist gerade mal 100 Meter hoch. Und dann war da auch noch die spannende Verteilung der Höhenmeter. Zunächst einmal ging es 20 km flach aus Nizza raus, dann kam der erste kleine Hammer mit 15-16 % Steigung. Hier kam es direkt zu einem kleinen Stau, da einige mit ihren vermutlich ungünstigen Ritzelübersetzungsverhältnissen diese Steigung nicht treten konnten. Dank meines, für ein Rennrad unüblichen dritten Kettenblattes, kam ich mit dieser kleinen fiesen Steigung jedoch ganz gut zurecht. Die nächsten 20 km ging es dann mit 3-4 % weiter hoch und dann folgte schon eine erste kleine Abfahrt. Leider ging auf dieser Abfahrt ein Reisverschluss an meiner kleinen Werkzeugtasche auf, so dass ich mein Werkzeug verlor. Jetzt durfte keine Panne passieren, dann wäre das Rennen für mich beendet gewesen. Bei KM 50 fing dann die Schlüsselstelle, eine 20 km lange Auffahrt mit 6% durchschnittlicher Steigung zum Col de l’ecre an. Nach endloser Quälerei in der brütend heißen Sonne meisterte ich diese Steigung aber als Flachländer relativ gut. Geübt hatte ich so eine lange Steigung nur ein einziges Mal – auf der Rolle! Die nächsten Kilometer ging es  dann mehr oder weniger immer ein bisschen hoch und runter. Die Abfahrten waren teilweise sehr anspruchsvoll. Im Großen und Ganzen ließ ich es aber einfach laufen. Wie gewohnt wurde ich sehr viel von anderen Startern überholt, zog das Tempo aber auch auf der zweiten Hälfte nicht an, weil ich noch ein paar Körner für das Laufen aufheben wollte. Nach ein paar fiesen Gegenanstiegen ging es dann ab Kilometer 125 komplett wieder runter nach Nizza. Wirklich eine Hammer-Abfahrt! Die Franzosen waren hier wirklich gnadenlos. Bremsen? Nö, einfach nur volle Möhre runter. Wie man Kurven fährt, kenne ich ja schon vom Motorradfahren, aber mit dem Rennrad ist das nochmal ein ganz anderes Gefühl: Leider geil!

Wieder in Nizza angekommen, kam dann nochmal ein 20 km Flachstück, welches sich aber nach der Radstreckeschnellen Abfahrt ziemlich hinzog und ich spürte meine Beine (wen wundert’s) jetzt auch schon ziemlich deutlich. Als ich dann endlich nach 6:50 h wieder in der Wechselzone ankam, waren die meisten anderen bereits am Laufen. Ich fühlte mich (noch) gut und nach einem schnellen zweiten Wechsel ging ich dann mit einem 5:30-er Pace auf die Laufstrecke. Ich hatte ja keine Ahnung. Es waren 4 Runden a 10,5 km auf der Promenade des Anglais zu laufen. Reiner Asphalt, 30 Grad, kein Schatten! Um’s kurz zu machen: Die erste Runde lief ganz gut und dann ging’s abwärts. Die komplette zweite Hälfte musste ich gehen, da ich keinen Totalausfall riskieren wollte, obwohl sich meine Beine noch verhältnismäßig gut anfühlten. Ein paar Mal war mir ziemlich schwindlig und mein Magen verweigerte die Nahrungsaufnahme. Mehrere Krankenwagen waren jetzt im Dauereinsatz auf der Laufstrecke und da wollte ich natürlich nicht landen.

Nach ca. 5 Stunden hatte ich dann endlich auch den Marathon hinter mich gebracht und war ehrlich gesagt froh nach insgesamt fast 13 ½ Stunden überhaupt die Ziellinie erreicht zu haben. Nach einer kurzen Pause im Zielbereich ging es dann auch direkt zurück in die Ferienwohnung und nachdem mein Magen ein letztes Mal rebellierte, gönnte ich mir ein sattes Stück Pizza. Mahlzeit! Ich bin jetzt offiziell ein IRONMAN!

Den IRONMAN Nizza war mein vorläufiges Highlight 2015. Ich bin mit meiner Leistung durchaus zufrieden. Im Nachhinein betrachtet habe ich ein paar Fehler in meiner Trainingsplanung gemacht. Insbesondere Anfang des Jahres hatte ich mich zu sehr auf’s Laufen konzentriert und zu wenig regeneriert. Außerdem habe zu wenig Athletik und Hitzetraining (ging ja auch nicht bei den hiesigen Temperaturen) gemacht, dann wäre es beim Laufen evtl. etwas besser gelaufen. Nächstes Mal wird alles besser. 🙂

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